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lesen könnte, und zwar ohne durch das Spiegeln der Scheiben an den Schränken gestört
zn sein. Der geologische Theil der Mineraliensammlung füllt zwei Säle, deren einer die
Überreste der Thiere aus der Tertiär- und Quartärzeit enthält. Diese Sammlung ist groß-
artig und iu ihrer Art einzig, denn sie besteht aus lauter einheimischen Funden. Hier sieht
man die Knochen nnd Zähne von Mastodon, Dinotherinm, Acerotherinm, Tapir und
erhält eiueu Begriff von der Fauna jener Periode, da es noch keinen Menschen gab, also
von einer Thierwelt, die niemals ein Menschenange gesehen. Hier sind ferner die Skelette
jener Riesenthiere der Quartärzeit, die auf dem Gebiete Ungarns gelebt haben: Mammuth,
Anerochfe, Nashorn, Niefenhirsch, Höhlenbär, Löwe und Hyäne, in zahlreichen Exemplaren,
fast ausnahmslos von ungarischen Fundorten. Im zweiten großen Saale ist die systematische
geologische Sammlung nach den verschiedenen Formationen ansgestellt. Innerhalb der
Formationen sind die Exemplare in geographischer Reihenfolge nach den zoologischen nnd
botanischen Systemen geordnet. Hervorzuheben sind die Tertiärformation Ungarns, die
böhmische Kreidesormatiou, die prächtigen Fische vom Monte Balco, der in einen Opal
eingeschlossene Frosch, die fossile Flora von Erdö-Benye, Bilin (Böhmen) und Enböa.
Unter den Mineralien, welche die übrigen Säle füllen, seien nur einige der angen-
sälligsten erwähnt: die Exemplare von gediegenem Golde aus den einheimischen Bergwerken,
in Krystallformen, deren Verschiedenartigkeit das Ange ergötzt: das gediegene Silber von
Kongsberg; die Silberstnfe, die dem Kaiser Karl V. durch Cortez aus Mexico als Probe
geschickt wurde: im Muttergestein eingeschlossene Diamanten aus Brasilien und dem
Eapland: die herrlichen ungarischen und die uoch schöneren japanischen Exemplare von
Antimonit; die Eisenerze aus dem Gömörer Eomitat, deren einige die Feinheit von Spitzen-
gewebe haben; die Amethyste von Schemnitz, die Qpale von Vörösvagäs, die Smaragde
aus Peru, Topas, Saphir und Rubiueu in der Form, wie sie in der Natur vorkommen.
Hier sieht man die geschlissenen Halbedelsteine: Jaspis, Agat, Amazonenstein, Lapis Lazuli
nnd Mokkastein, in voller Farbenpracht. Besonders werthvoll ist die außerordentlich reiche
und werthvolle Sammlung vou Meteorsteinen und Meteoreisen.
Die botanische Sammlnng, deren Grnndlage die Herbare von Kitaibel nnd
Dr. Sadler, ferner die Kryptogamensammluugen vou Hazsliuszky und Lojka bilden, stand
bisher nicht auf der Höhe der übrigen Abtheilungen des Mnfenms. Nun aber ist sie durch
den botanischen Nachlaß des Eardinal-Erzbischofs von Kaloesa, Ludwig Haynald, mit einem
Schlage so reich geworden, daß sie sich kühn mit den großen botanischen Sammlnngen
Europas messen kann. Bekanntlich hat der verstorbene gelehrte Kirchenfürst niemals auf-
gehört, seine besonders geliebte Pflanzenfammlnng zu vermehren, uud keine Gelegenheit
vorübergehen lassen, sie durch werthvolle Colleetioueu zu vervollstäudigeu. Daran
schließt sich natürlich auch seine prächtige Fachbibliothek mit allen jenen kostbaren, glänzend
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (3), Volume 12
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (3)
- Volume
- 12
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1893
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.49 x 21.91 cm
- Pages
- 626
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch