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Unter den Amsterdamer Malern machen sich Nicolaes Eliasz und Thomas de Keyzer
durch ausgezeichnete Bildnisse bemerklich, dann Rembrandt durch „Josefs Traum" und
den „Philosophen", Hondekoeter und Weenix durch ihre Thierstücke, Aart van der Neer
durch Landschaften, Willem van de Velde durch ein Seestück. Von den Malern des Haag
ist besonders Abraham van Beyeren mit mehreren Bildern hervorzuheben. Die bedeutende
Gruppe der Haarlemer Maler bietet treffliche Werke des Frans Hals und seines Sohnes,
der Brüder Ostade, der Familie Ruysdael, des Wouwermau und Berghem. Unter den
Delster Bildern befindet sich eines der kostbarsten Meisterwerke der Gallerie, ein junges
Mädchen von Jan Vermeer van Delft; unter den Schöpfungen der Leydener Meister ein
Hauptbild des großen Satirikers Jan Steen; unter den Dortrechter Arbeiten bewunderungs-
würdige Landschaften von Albert Cnyp. Die Utrechter Künstlergruppe endlich ist durch
Werke der Brüder Both, des Moreelse und Poelenbnrg repräsentirt.
Die verschiedenen Richtungen der deutschen Malerei lassen sich gleichfalls gut
würdigen. Aus der kölnischen Schule finden sich mehrere tüchtige Bilder, aus der Nürn-
berger Schule ein meisterhaftes Bildniß Albrecht Dürers; die künstlerische Eigenart Lnkas
Kranachs entfaltet sich in einer reichen Serie, auS der die „Heilige Katharina", eines seiner
anmuthigsten Bilder, hervorragt; der späteren Zeit gehören Bilder der Familie Roos,
des Dietericy und Rasael Mengs, der Angelika Kaufmann an.
Endlich weist die Landes-Bildergallerie zwei schöne Schöpfungen der in den Samm-
lungen des Continents so spärlich vertretenen englischen Malerei auf, nämlich ein Porträt
von Reynolds und ein Thierstück von Morland. Der Raummangel gestattet nicht, die
Handzeichnungen und die reiche Sammlung von Kupferstichen, Holzschnitten und Nadirnngen
auszustellen; die wichtige Sammlung ungarischer Porträts, in Kupferstich und Lithographie,
füllt mehrere hundert Bände und ist genau registrirt und alphabetisch geordnet.
Die historische Bildergallerie ist mehr von geschichtlichem als von künst-
lerischem Interesse; sie war bisher in den für eine Bildergallerie wenig geeigneten Räumen
des Ofner Bnrgbazars aufgestellt, wird aber jetzt in das hübsche Kunstausstellungsgebäude
im Stadtwäldchen übertragen, wo auch die Gypsabgüsse der in Kirchen befindlichen Grab-
denkmäler aus dem Mittelalter und der Renaissance ihre Stelle finden sollen.
Statt der historischen Bildergallerie soll im Burgbazar die ethnographische
Sammlung Unterkunft finden. Sie steckt vorderhand noch in ihren Anfängen, doch weist
sie schon manches Bemerkenswerthe auf, so die durch Reguly und Papay in Sibirien
erworbenen Waffen, Geräthe, Costüme von nral-altajischen Stämmen, die von Bela
Vikar in Finnland gesammelten ethnographischen Gegenstände; die ostasiatische Samm-
lung, darunter besonders die Gegenstände aus Borneo und Siam, welche Johann
Xanthns von seiner Reise um die Erde mitgebracht, ferner die mexikanischen nnd central-
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (3), Volume 12
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (3)
- Volume
- 12
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1893
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.49 x 21.91 cm
- Pages
- 626
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch