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amerikanischen Denkmäler, namentlich aber die Waffen und Schmucksachen, welche Graf
Samuel Teleki bei seinen Forschungen in der Umgebung des Kilimandscharo-Gebirges
aus dem unbekannten Innern Afrikas erworben und dem Museum geschenkt hat.
Hier befiudeu sich schließlich die Anfänge jener Sammlung, welche die verschiedenen
Nationalitäten ungehörigen Bewohner Ungarns in ihren eigenthümlichen Trachten und
Schmncksachen, Geräthen und Werkzeugen, Musikinstrumenten und Waffen, den mannig-
fachen Erzeugnissen der Hausindustrie, Thongefäßen und den Prodncten der Strickerei,
Spinnerei, Stickerei, Spitzenklöppelei und Weberei darstellen soll, gleichsam ein Lebens-
bild der verschiedenen Volksstämme Ungarns, beizeiten hergestellt, ehe noch die Fabriks-
industrie und die Alles ausgleichende Cultur deren charakteristische Eigenart verwischt hat.
Das Knnstgewerbe hat auch in Ungarn die Bewegung mitgemacht, die in den
Fünfziger-Jahren anf diesem Gebiete durch ganz Europa ging. So wie in den westlichen
Ländern ein Kunstgewerbemuseum nach dem andern entstand, begann man nach der Pariser
Weltansstellung des Jahres 1868 sich auch in Ungarn lebhaft mit dem Plane einer solchen
Anstalt zu beschäftigen. Die Gesellschaft für bildende Kunst und der Gewerbeverein unter-
nahmen es, den Plan mit Hilfe freiwilliger Beiträge zu verwirklichen, und bildeten zn diesem
Zweck einen Ausschuß von hundert Mitgliedern. Doch wurde der erste Grund zum Kunst-
gewerbemuseum im Jahre 1872 durch den Reichstag gelegt, indem er 50.000 Gulden
für Ankäufe aus Aulaß der Wiener Weltausstellung vom Jahre 1873 bewilligte. Die solcher-
gestalt entstandene Sammlung bestand namentlich ans ostasiatischen Porzellan- und Bronze-
gegenständen, ferner aus Erzeugnissen (Geweben und Trachten) der ungarischen Haus-
industrie und ungarischen Stickereien des XVII. und XVIII. Jahrhunderts. Sie wurde
im Jahre 1874 provisorisch im Treppenhause des Nationalmuseums aufgestellt, im
Jahre 1877 aber im Palast der Gesellschaft für bildende Kunst auf der Andrassy-Straße
untergebracht. Gleichzeitig mit der Übertragung übernahm der Staat die neue Institution
vom Hunderterausschuß und bereicherte sie wesentlich durch Gegenstände, welche das
Nationalmuseum als Depot für ewige Zeit überließ. Dieses Depot bestand aus ungarischen
Gefäßen mit Bleiglasur (XVII. und XVIII. Jahrhundert), italienischen Majoliken, alten?
europäischem Porzellan, Glas, egyptischen und italienischen Bronzen, sowie gestickten Sammt-
paramenten des XV. und XVI. Jahrhunderts. Seitdem wurde dieses Museum theils durch
Erwerbungen aus dem Staatsbeneficinm, theils durch großmüthige Spenden fortwährend
bereichert. Besondere Erwähnung verdient die keramische Sammlung, die von den mittel-
alterlichen Ofenkacheln angefangen Alles, namentlich auch die Producte der Holieser und
anderer Fabriken ans dem XVII. und XVIII. Jahrhundert zusammenfaßt, so daß sie die
Geschichte der ungarischen Keramik in einem vollständigen Bilde darstellt. Bedeutend ist
auch die Sammlung von Kirchengewändern angewachsen; sie gehört jetzt, der Reichhaltigkeit
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (3), Volume 12
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (3)
- Volume
- 12
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1893
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.49 x 21.91 cm
- Pages
- 626
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch