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Indeß, die Idee der Sprachpflege kräftigte sich von da an immer mehr und fand in
den hervorragenden Schriftstellern und Reformatoren des vorigen Jahrhunderts kräftige
Stützen. Georg Bessenyei griff sie 1781 in seiner Schrift „Fromme Absicht" (^ämbor
82änäek) mit Wärme auf und verkündete mit der ganzen Glut seiner Begeisterung, seiner
Aneiseruug die Nothwendigkeit, eine gelehrte Gesellschaft zu gründen. Auch entstanden nach
einigen Jahren in verschiedenen Theilen des Landes: zu Kaschau, Komorn und Klausenburg
(Arankas Gesellschaft für Sprachpflege) kleinere, allerdings uicht orgauisirte literarische
Gesellschaften zur Herausgabe einzelner literarischer Zeitschriften; für die Idee Bessenyeis
jedoch sucht nur der geniale Nikolaus Revai die öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen und bei
der Regierung, dem Reichstage, dem Publikum Stimmung zu machen. Er gab 1790, bei
der Thronbesteigung Leopolds II., als die Nation das Morgenroth einer besseren Zukunft
begrüßte, die „Fromme Absicht" Bessenyeis heraus, die besonders auf die Schriftstellerwelt
einen großen Eindruck machte. Revai empfiehlt die Sache der zu gründenden Gesellschaft
dem Schutze des neuen Palatins Erzherzogs Alexander Leopold, er arbeitet den Plan aus,
bezeichnet die Mitglieder, verhandelt mit den ersten Männern des Landes, kurz, er setzt für
diesen Gedanken Alles in Bewegung, und dennoch muß seine Absicht scheitern. Die durch den
französischen Revolutionssturm erschütterten Regierungen konnten sich mit Ideen, welche die
Stärkung der Nationalität anstrebten, nicht befreunden; Ungarn aber hatte für seine Existenz
und seinen Bestand zu kämpfen und seine Opferwilligkeit wurde in erster Reihe von der
Errettung des königlichen Throns in Anspruch genommen. Unter solchen Verhältnissen war
es vergeblich, daß einzelne wohlhabende Patrioten (Stesan Sändor, Baron Ladislaus
Pröuay, Stesan Marezibänyi und Andere) schon im vorigen Jahrhundert und weiter im
ersten und zweiten Jahrzehnt des gegenwärtigen ansehnliche Summen für literarische Preise
aussetzten, daß Schriftsteller, wie Martin Georg Kovachich, Samuel Decsy, Samuel Päpay,
Stefan Knlesar, Georg Fejer, Graf Ladislaus Teleki,in größeren und kleineren Flugschriften
die Möglichkeit der Errichtung einer gelehrten Gesellschaft nachwiesen; eine durchgreifendere
Bewegung konnte, da sich die regierenden Kreise in Wien ablehnend verhielten, nicht
zustande kommen. Nikolaus Jaukovich arbeitet (1815 bis 1816) den Plan der „Osner
königlichen gelehrten Gesellschaft" (kudai kirähi wcküs türsasüF) ans, in der Hoffnung,
daß ihre Begründung doch gelingen werde. Alles umsonst. Auf dem Reichstage 1805, wie
auch den nachfolgenden, war von den Rechten der ungarischen Sprache und dem wirk-
samsten Mittel zu ihrer Ausbildung, der gelehrten Gesellschaft die Rede, allein noch
immer hieß es warten, bis der muthige Bahnbrecher käme, um der Thätigkeit der für
nationales Leben begeisterten und opferwilligen Patrioten den Weg zu weisen und in
einem glücklichen Augenblick des nationalen Ausslammens die alten Wünsche und
Bestrebungen gleichsam mit Zauberkraft zu verwirklichen.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (3), Volume 12
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (3)
- Volume
- 12
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1893
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.49 x 21.91 cm
- Pages
- 626
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch