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der Gesellschaft herausgegebenen Sprachschätze und Literaturdenkmäler zum Gegenstande
der Forschung, sie schuf nach Revais und Kazinczys Vorgang die literarische Sprache und
führte die Sache der Spracherueueruug zum Siege. Ihre auf Grund der neuen Principien
ausgearbeitete Grammatik machte den Unterricht der ungarischen Sprache einheitlich, und
es sind hierin auch jetzt die grammatikalischen Grundsätze der Akademie maßgebend. Sie
gab den Anstoß zum Sammeln der mundartlichen und veralteten Wörter, sowie der Kunst-
wörter der verschiedenen wissenschaftlichen Fächer, eine Arbeit, zu der sie jeden Sohn
des Vaterlandes heranzog, der an Sprache und Wissenschaft warmen Antheil nahm. Den
auf diese Art angehäuften Stoff gab sie dann in besonderen Wörterbüchern heraus. Sie
begann auch die Sammlung des Materials für das große Wörterbuch der ungarischen
Sprache, das erst in den Sechziger-Jahren erscheinen konnte und trotz seiner Mängel eines
der wichtigsten Ergebnisse ihrer Thätigkeit bildet.
Überdies that sie, weil nationale und eulturelle Gründe es gleich wichtig erscheinen
ließen, viel zur Hebung und Entwicklung der nationalen Schaubühne. Sie setzte Preise
aus für Originaldramen und man darf wohl sagen, daß seit 1833 jeder ungarische
Dramatiker von ihr den ersten Kranz und wirksameren Ansporn erhielt. Sie gab die
schätzbaren Sammlungen der „Vaterländischen Schaubühne" und der „Schaubühne des
Auslandes" heraus, die letztere, um die dramatischen Meisterwerke der fremden Literaturen
in ungarischer Übersetzung darzubieten. Zugleich ernannte sie einen „Bühnenausschuß",
der die auf dem Repertoir der Ofner Bühne befindlichen übersetzten Werke in gram-
matikalischer Hinsicht verbesserte und für dieselbe auf Kosten der Akademie auch neue
Stücke übersetzen ließ. Und als 1837 das erste ständige Theater in der Hauptstadt erbaut
wurde, übte sie stets heilsamen Einfluß auf dessen Direktion nnd Repertoir. Aber auch
die Fortbildung des Geschmacks in diesen Jahren hat der Akademie viel zu danken. Gleich
in den ersten Jahren begann die Übersetzung und Herausgabe der römischen und griechischen
Classiker, sowie der Werke der bedeutenderen ausländischen Ästhetiker, und in ihrer Zeit-
schrift: „Magazin der Wissenschaften" (l'uckvinäly-tür) verfolgte sie aufmerksam die
literarische Bewegung des Auslandes, um durch Übersichten nnd Studien das ungarische
Publikum mit den neueren Strömungen der fremden Literaturen bekannt zu machen.
Obwohl nun die Akademie in diesen Jahren, genau im Sinne ihrer ersten Stifter,
hauptsächlich als eine Gesellschaft für Ausbildung der Sprache wirkte, war sie dennoch
bestrebt, mit den verfügbaren geringen Mitteln auch andere Zweige der Wissenschaft zu
pflegen. Um nur einige hervorragende Resultate zu erwähnen: auf historischem Gebiete
stellte sie die Culturgeschichte, die bis dahin so viel wie brach gelegen, als Gegenstand der
Untersuchung und Forschung auf; sie begann die Erforschung der geschichtlichen Denkmäler
in den einheimischen wie in den ausländischen Bibliotheken und Archiven; sie begründete
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (3), Volume 12
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (3)
- Volume
- 12
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1893
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.49 x 21.91 cm
- Pages
- 626
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch