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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Volume 12
Page - 276 -
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Page - 276 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Volume 12

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276 unter vielen Anderen Lorenz Orczy, Abraham Barcsai , Alexander Baröczi, Paul Änyos und Josef Peezeli. Unter diesen that Baröczi das Meiste für die Ausbildung des ungarischen Prosastils, Änyos war der echteste Dichter, Peezeli aber gleichsam der Fortsetzer der Agitation Bessenyeis. Die beiden Letzteren schlössen sich in der Heimat der Bewegung der Gardisten-Schriftsteller an, die in ihnen neue Stützen gewann. Unter den Gardisten errang sich seinerzeit Baröczi das größte Ansehen durch die ungarische Über- setzung von Calpren'edes „Kassandra" und Marmontels „Moralischen Fabeln." Aus diesen Übersetzungen geht hervor, daß Baröczi unter ihnen an Bildung, Talent und feinem Sprachgefühl der bedeutendste war, der gleichsam eine neue Sprache schuf, eine, die Vielen unverständlich erschien, jedoch lebendig und geschmeidig war und ihm gestattete, die Ideen des gebildeten Westens zum ersten Male getreu und schmiegsam wiederznspiegeln. Er gab das erste Beispiel, wie man den Ton der vornehmen Gesellschaft, der aus „lauter Höflichkeit" besteht, und auch das in rednerischen Formen sich ergehende Pathos der Empfindsamkeit schön ausdrücken könne. Was er bei Marmontel und Calprenede sah, dem trachtete er auch magyarische Laute zu geben. Gerade dieser Erfolg seiner Thätigkeit erregte die Aufmerksamkeit Kazinczys, der ihn aus diesem Grunde zu einem seiner Lehrer machte. Während die Jünger der französischen Schule sich au die obere Schichte der Nation wandten und ihre unter fremdem Einfluß entstandenen Ideen der mit dem Auslande bekannten oberen Klasse verbündeten, treten drei eifrige Mönche, die ihre Begeisterung aus der alten lateinischen und griechischen Poesie geschöpft haben, mit ganz neuen Formen der magyarischen Dichtkunst vor die lateinisch gebildete Klasse der Nation. Zn dieser zählten sie den ganzen mittleren Adel, ja selbst einen Theil der Gewerbetreibenden, da Kenntniß und Gebrauch der lateinischen Sprache damals eine unvermeidliche Bedingung auch einer mittelmäßigen Bildung waren. Schon in der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts hatte Johann Sylvester (Erdösi) magyarische Versuche mit den alten lateinischen Versmaßen gemacht, und sie waren über- raschend gelungen. Von da an weiter bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde das Verfahren Sylvesters immerzu nachgeahmt, nicht sowohl in bewußter Absicht, als vielmehr aus dem natürlichen Antrieb, der äußeren Form des magyarischen Verses mehr Abwechslung zu verleihen. Graf Gedeon Räday wollte, am Anfang der Regierung Maria Theresias, gleichzeitig die classischen und westeuropäischen Versformen in der ungarischen Literatur heimisch machen. Indeß gelangten seine Versuche erst später an die Öffentlichkeit, und die Wirkung des hochgelehrten Mannes wurde eigentlich nur in den Bestrebungen Kazinczys und der um diesen grnppirten Schriftsteller fühlbar. Ehe noch die Versuche Rädays erschienen, traten die drei eifrigsten Kämpen der classischen Richtung als Bahnbrecher aus, mit der tiefen Überzeugung, daß nur die Nachahmung der alten
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Volume 12
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Ungarn (3)
Volume
12
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1893
Language
German
License
PD
Size
15.49 x 21.91 cm
Pages
626
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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