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Für den Transport des Holzes waren früher die Hauptflüsse des Landes, Inn
und Etsch nebst deren Seitenzuflüssen, in ausgedehntem Maße dienstbar gemacht und
zu diesem Zweck eine große Anzahl von Triftbauten, namentlich an den kleinen Seiten-
flüssen errichtet worden. In den Hauptthälern, soweit die Schienenstränge der Süd- und
Staatsbahn dieselben durchziehen, haben nunmehr diese größtentheils den Holztransport
übernommen, und auch in den Seitenthälern tritt der Transport des werthvolleren Nutz-
holzes per Achse mehr und mehr an Stelle des allerdings billigen, aber dem Handels-
werth des Holzes abträglichen Wassertransportes; immerhin aber kommt der Trift für
die Bringung des Brennholzes in vielen Seitenthälern noch heute eine wichtige Rolle zu.
Als bedeutende und technisch interessante Triftbauten sind jene an der Brandenberger und
Thierseer Ache, dann die Triftstrecke am Cismone bei Primiero zu nennen.
In Vorarlberg wird die Trift gleichfalls zur Bringung des Holzes aus den meisten
Seitenthälern bis in das Hauptthal benützt; ebenso werden die Hölzer des Bregenzerwaldes,
einschließlich der schweren Sägeblöcke, auf der Bregenzer Ache bis Hard getriftet, obwohl
diese Ache mit ihrem breiten, verschotterten Flußbett dafür wenig geeignet ist und die
Anlage einer gut fahrbaren Straße hier entschieden vortheilhafter wäre. Nachtheilig
erweist sich die in Tirol vielfach übliche Abbringung des Holzes aus den Fällungsorten
bis zur Thalsohle auf sogenannten Erdriesen, wodurch bei lockerer Bodengrundlage gar
manche tiefe Rnnse gebildet und so ein späterer Wildbach vorbereitet wird.
Neben dem Holzertrage spielen in allen Waldungen der Gemeinden und bäuerlichen
Besitzer die Nebennutzungen, insbesondere jene, die zu Gunsten der Landwirthschaft
entnommen werden, wie Weide- und Streunutzung, eine bedeutende Rolle, ja sie werden
hier nicht selten zur eigentlichen Hauptnutzung. Auch die Harznutzung, insbesondere das
Anbohren der Lärchen zur Terpentingewinnung (das Lergetbohren) wird in Tirol fast
allenthalben ausgeübt und liefert einen namhaften Ertrag. Über die Größe dieser
Nutzungen und deren Werth im Ganzen läßt sich jedoch eine einigermaßen verläßliche Ziffer
kaum feststellen. Solange diese Nutzungen das zulässige, mit der Walderhaltung verein-
bare Maß nicht überschreiten, müssen sie als durch die Besitzverhältnisse berechtigt
angesehen werden; wo aber infolge der Armuth oder des Unverständnisses der Bevölkerung
diese Nutzungen übermäßig ausgeübt werden, wo — wie dies in Tirol nicht selten der
Fall ist — dem Walde Ast- und Bodenstreu zugleich entzogen werden, daneben noch die
Viehweide ausgeübt und die bereits verkümmerten Bestände auch noch auf die Harz- oder
Terpentingewinnung verpachtet werden, oder wo die Weide mit Hunderten von Ziegen
Jahr für Jahr dieselben Jungbestände zu Schanden frißt, da müssen diese Nutzungen zum
Ruin des Waldes führen, und hier ist es die schwierige Aufgabe der vom Staate bestellten
Forstaufsichtsorgane, auf die möglichste Beschränkung dieser Nutzungen hinzuwirken.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Tirol und Vorarlberg, Volume 13
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Tirol und Vorarlberg
- Volume
- 13
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1893
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.12 x 23.1 cm
- Pages
- 624
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch