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Jahre 1869 auch in Vorarlberg von Johann Längte in Feldkirch der erste Versuch damit
gemacht, der allseitige Nachahmung fand, so daß die bis dahin noch ziemlich stark der-.
breitete Handweberei fast gänzlich zurückgedrängt wurde und heute sozusagen aufgehört
hat. Im Jahre 1792 richtete der durch die französische Schreckensherrschaft aus Mül-
hausen im Elsaß vertriebene Samuel Vogel die erste Cottoudruckerei im Schlosse Mittel-
weierburg bei Hard ein, und seitdem hat sich mit einer durch die Occupatio« Vorarlbergs
seitens der Baiern (1806) verursachten Unterbrechung dieser Zweig der Textilindustrie
sehr entwickelt. Der Handdruck geht heute zwar zurück, allein an seine Stelle ist der
Rouleauxdruck getreten, der im Lande durch fünf große Etablissements vertreten ist, die
insbesondere den Tücheldruck schwunghaft betreiben. Von den übrigen Veredlungsanstalten
spielen insbesondere die Färbereien und unter diesen wieder die Türkischrothfärbereien
eine erste Rolle. Seit diesen ersten Anfängen nahm die Baumwollindustrie Vorarlbergs
einen lebhaften Aufschwung, obwohl ihre Betriebskosten wegen der großen Investitionen,
welche die Benützung der als Hauptmotor dienenden Wasserkraft erforderte, ferner wegen
der hohen Arbeitslöhne und außerordentlich großen Frachtkosten sehr bedeutende sind. Ihr
Absatzgebiet erweiterte sich nichtsdestoweniger stetig, bis die Produktion durch den
amerikanischen Krieg und der Absatz durch den Verlust Venetiens einen argen Stoß
erlitten, dem nur durch die nimmermüde Thatkraft der Industriellen Vorarlbergs, das
Heranziehen aller neuen Erfindungen auf dem Gebiete der Maschinentechnik, die Ein-
richtung des Productionsganges in der Art, daß die rohe Baumwolle bis zum verkaufs-
fertigen Prodnete verarbeitet wird, begegnet werden konnte. Es bestanden in Vorarlberg
im Jahre 1885:18 Banmwoll-Spinnereien mit 33 Motoren von zusammen 3.452 Pferde-
kräften und 216.904 Spindeln. Die Anzahl der letzteren hat sich heute auf circa 265.000
erhöht (Erzeugungswerth rund 4,670.000 Gulden). Es bestanden ferner 20 Baumwoll-
Webereien mit 43 Motoren von zusammen 1.403 Pferdekräften und circa 4.000 Stühlen,
darunter circa 1.000 Buntstühle (Erzeugungswerth rund 4,115.000 Gulden). Druckereien
bestanden fünf mit zehn Druckmaschinen und circa 250 Drncktischen, Färbereien zehn,
darunter sehr ausgedehnte Etablissements. Die Baumwollindustrie bezieht ihren Rohstoff
ans Amerika und Ostindien und erzeugt heute Baumwollwaaren aller Gattungen. Ihr
Hauptabsatzgebiet ist die ganze Monarchie, exportirt wird wenig. Die Zahl der in ihr
beschäftigten Arbeiter beläuft sich auf circa 7.000, die einen jährlichen Arbeitsverdienst
von circa 2^ Millionen Gulden erzielen.
Die zweite große Gruppe der Textilindustrie bildet die Stickerei. Die Stickerei in
Vorarlberg ist hauptsächlich Hausindustrie, und zwar in einer Ausdehnung, wie sie nicht
leicht ihres Gleichen hat. Sie beschäftigt im Ganzen nicht weniger als 13.000 bis
14.000 Personen und bringt diesen circa 2Vs bis 3 Millionen Gulden jährlichen
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Tirol und Vorarlberg, Volume 13
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Tirol und Vorarlberg
- Volume
- 13
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1893
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.12 x 23.1 cm
- Pages
- 624
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch