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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Volume 14
Page - 275 -
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Page - 275 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Volume 14

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275 deßgleichen traten die böhmischen Stände nach inzwischen erfolgter zeitweiliger Aussöhnung zur Königswahl zusammen und wählten Albrecht, Herzog von Baiern, hauptsächlich deßwegen, weil er die Verhältnisse in Böhmen kannte und auch der böhmischen Sprache mächtig war. Aber der Gewählte nahm die Wahl, vornehmlich in Folge von Ein- flüsterungen Ulrichs von Rosenberg, nicht an. Das Böhmerland wurde nun neuerdings der Schauplatz verderblicher Zerwürfnisse und Kriege. Es gab keine Centralgewalt. Wohl trafen die Stände unmittelbar nach dem Ableben des Königs Albrecht Maßregeln zur Aufrechthaltung des Landfriedens und jeder Kreis wählte einen Kreishauptmann, welcher mit den ihm von den Ständen zuge- theilten Räthen dafür aufzukommen hatte, daß dem Räuberunwesen gesteuert, Streitig- keiten geschlichtet und Fehden hintangehalten würden (29. Jänner 1440). Es gab damals in Böhmen 13 Kreise; in einigen hatte die Partei der Herren Ulrich von Rosenberg und Meinhard von Neuhaus, in einigen wiederum die Partei des Herrn Ptacek die Oberhand. Darnach fielen auch die Wahlen der Kreishauptleute aus. Namentlich zeigte es sich hierbei, daß die Partei der entschiedenen Utraqnisten in den vier ostböhmischen Kreisen, nämlich in dem Kourimer, Caslauer, Chrudimer nnd Königgrätzer Kreise eine compacte Majorität besaß. Diese Kreise beriefen nämlich zur Hauptmannswürde nicht nur entschiedene Männer, sondern sie bildeten auch eine Art engerer Genossenschaft und wählten Herrn Hynce Ptacek von Pirkstein zu ihrem Oberhauptmann. Prag blieb in der Gewalt des Herrn Meinhard von Neuhaus als Oberstburggrafeu, aber das von ihm uud den von ihm eingesetzten Rathsherren ausgeübte Regiment war willkürlich und gewaltthätig. Es lag am Tage, daß diese Einrichtung dem Lande nicht genügen konnte, vor- nehmlich deßwegen, weil sie dem Schwächeren gar zu wenig Schutz bot. Und noch ärger war es in religiöser Hinsicht. Magister Johann Rokycana, der schon erwähnte utraqnistische Erzbifchof von Prag, wurde gleichfalls nur in den vier östlichen Kreisen anerkannt, in denen er, wohl mit Hilfe einer Synode, Erlässe über die Disciplin der Klerisei, über die Glaubenseinheit und gegen die Extravaganzen der Taboritenlehre herausgab, aber es gab keiue Executive, keine Macht, welche Priester und Gläubige hätte zwingen können, sich darnach zu verhalten. Die Verhandlungen mit der päpstlichen Enrie, welche die Bestätigung der Eompactaten und die Anerkennung Rokycana's als Erzbischof bezweckten, hatten keinen Erfolg, denn Papst Eugen IV. und seine Nachfolger waren überzeugt, daß die unter einander uneinigen Böhmen bedingungslos zum Gehorsam gebracht werden müßten. Diesem Zustand allgemeiner Unruhe und Unsicherheit machte das Jahr 1448 ein Ende. Das Haupt der entschiedenen Utraqnistenpartei, Hynce Ptacek von Pirkstein starb 1444 (27. Angnst) und die vier östlichen Kreise wählten an seiner Stelle zum Oberhauptmann den Herrn Georg von Podöbrad und Kunstatt, der damals erst 18*
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Volume 14
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Böhmen (1)
Volume
14
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1894
Language
German
License
PD
Size
15.78 x 21.93 cm
Pages
634
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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