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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Volume 14
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Page - 294 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Volume 14

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294 Die fast unaufhörlichen Türkenkriege, welche Ferdinand zu führen hatte, sowie seine Betheiligung an der deutschen Politik seines Hauses und an den europäischen Händeln brachten es mit sich, daß Ferdinand nicht allzu oft und lang in Böhmen weilte. Wenn es aber geschah, so hielt er gern persönlich Gericht, wobei ihm freilich, da er der Landessprache nicht kundig war, die Aussagen der Einvernommenen ins Lateinische über- setzt werden mußten und umgekehrt seine Aussprüche, die lateinisch erfolgten, in die Landessprache. Die meisten Schwierigkeiten erwuchsen dem neuen König, wie seinen unmittelbaren Vorgängern, aus den religiösen Angelegenheiten. Schon in den ersten Regierungsjahren Ferdinands kam in dieser Beziehung eine bedeutungsvolle Veränderung zum Durchbruch, indem die Utraqnisten, ohne ihren bisherigen Namen, unter welchem sie gesetzlichen Schutz genossen, abzulegen, fast sämmtlich sich dem Lutherthum zuwandten, die Brüder aber mehr und mehr die calvinische Lehre annahmen. Ferdinand konnte dagegen umsoweniger etwas ausrichten, weil er sich beständig genöthigt sah, von den in ihrer Mehr- zahl utraquistischen Ständen Geld und Truppen für den Türkenkrieg zu verlangen, dieselben also schon im eigenen Interesse schonen mußte. Doch gelang es ihm immerhin schon in den ersten Jahrzehnten seiner Regierung, die unter seinen unmittelbaren Vorgängern arg gesunkene Königsmacht wieder etwas zu heben. Gelegenheit dazu bot ihm unter anderem ein an sich sehr beklagenswerthes Ereigniß, der Brand der königlichen Burg auf dem Hradfchin im Jahre 1541, bei welchem auch ein großer Theil der Landtafel mit- vernichtet wurde. Unter den Acten, die damals zu Grunde gingen, waren auch einige der demüthigenden Urkunden, welche Ferdinand bei seiner Thronbesteigung hatte unterzeichnen müssen. Ferdinand sorgte nun bei der nothwendig gewordenen Erneuerung derselben dafür, daß nachträglich das Erbrecht seiner Gemalin auch urkundlich anerkannt wurde. Die Entscheidung in dem bis dahin nur versteckt geführten Kampfe zwischen dem katholischen König einerseits und den ntraquistisch gesinnten Ständen anderseits brachte aber der auch für Deutschland so bedeutungsvolle „Schmalkaldische Krieg". Ferdinand, der bei sich beschlossen hatte, seinen kaiserlichen Bruder mit aller Macht gegen die Häupter des Schmalkaldischeu Bundes zu unterstützen, trug kein Bedenken, vom Landtag eine allgemeine Bewaffnung zu verlangen, zunächst allerdings unter dem Vorwand, es sei auf die Türken abgesehen. Ferdinand setzte anch seine Forderung durch, als aber das böhmische Heer, welches sich bei Kaaden gesammelt hatte, die sächsische Grenze überschreiten sollte, verweigerte ein großer Theil den Gehorsam. Ferdinand, der wohl einsah, daß ihm mit so unzuverlässigen Truppen ohnehin wenig gedient sei, und der es noch nicht aufs äußerste ankommen lassen wollte, befahl übrigens, die Widerspenstigen ruhig abziehen zu lassen. Im zweiten Kriegsjahre, 1547, welches die Entscheidung bringen sollte, wagte Ferdinand einen noch kühneren Schritt. Ohne einen Landtag zu berufen, wie es das Herkommen
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Volume 14
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Böhmen (1)
Volume
14
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1894
Language
German
License
PD
Size
15.78 x 21.93 cm
Pages
634
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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