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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Volume 14
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Page - 364 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Volume 14

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364 Es ist wahrscheinlich, daß zu Beginn des Mittelalters Böhmen in seiner Gesammtheit von slavischen Stämmen bewohnt war. Doch begann schon frühzeitig die Einwanderung der Deutschen nach Böhmen. Bereits die ersten böhmischen Fürsten liebten es, Deutsche auf wichtige Posten zu berufen, bis schließlich Premysl Ottokar II. die erste größere Colonisation durch Deutsche, hauptsächlich in den nördlichen Gegenden veranlaßte. Die Deutscheu, die hier Städte begründeten, erlangten besondere Privilegien, die Colonisation nahm zusehends größere Dimensionen an. Die Hnsitenkriege verdrängten zwar für einige Zeit die Deutschen aus Böhmen, nichtsdestoweniger rückten die deutschen Niederlassungen von Norden und zugleich auch von der baierischen und österreichischen Grenze unablässig vor, so daß jetzt die Deutschen beinahe schon zwei Fünftel der Gesammt- bevölkernng ausmachen. Nach der letzten Zählung im Jahre 1890 leben in Böhmen 3,644.188 Cechen und 2,159.011 Deutsche. Die deutsche Bevölkerung breitet sich fast ununterbrochen an der ganzen nordöstlichen, nordwestlichen, südwestlichen und südlichen Grenze des Landes aus, namentlich am Fuße des Erzgebirges. Blos an zwei Stellen ist dieser Gürtel durch Ausläufer der cechischen Bevölkerung durchbrochen, und zwar bei Taus, wo die Cecheu die Grenzen erreichen, und an der entgegengesetzten Seite bei Nachod, wo sie sogar die Grenze überschreiten. Derartig ist das Bild der gegenwärtigen Vertheilnng beider Völkerschaften im Königreiche Böhmen, der cechischen und der deutschen. Es ist daher natürlich, daß auch das Studium der physischen Beschaffenheit der Bevölkerung immer von diesem nationalen Dualismus ausgehen und zu ihm stets zurückkehren wird. Auch im anthropologischen Sinne macht sich das Streben kund, die Deutschen von den Cechen zu trennen, beide Völkerschaften werden für sich ftndirt und verglichen, um constatiren zu können, ob es auch physische Verschiedenheiten zwischen beiden gibt und ob überhaupt dann weiter ein anthropologischer Unterschied besteht zwischen den beiden großen Nationen Europa's: den Slaven, von denen ein Glied die Cechen bilden, und den Deutschen, zu denen man zwar vom nationalen, weniger aber, wie sich zeigen wird, vom anthropologischen Standpunkte die Deutschen Böhmens rechnen kann. Der Anthropolog sollte die ganze Physis eines Volkes, seine ganze Biologie stndiren und dem Leser vorführen. Sowie die Anatomie und Physiologie den Körper und das Leben eines Individuums in allen seinen Einzelnheiten erforscht, so sollte auch der Anthropolog hier ein vollständiges Detailbild aller anatomischen und physiologischen Verhältnisse zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen Böhmens vorführen und erörtern, namentlich zwischen dem cechischen und deutschen Volke. Das kann jedoch bis jetzt nur eines der Endziele der Anthropologie sein. Diese Wissenschaft ist gegenwärtig so jung, hat bis jetzt so wenig Material — welches wiederum selbst nur theilweise bearbeitet ist — und hat so wenig genaue statistische Daten,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Volume 14
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Böhmen (1)
Volume
14
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1894
Language
German
License
PD
Size
15.78 x 21.93 cm
Pages
634
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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