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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Volume 14
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Page - 392 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Volume 14

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392 Charakter, ^>agen, Trachten, Grtsanlagen und Wohnungen der Slaven. Volkscharakter. Die slavischen Stämme, welche Böhmen in Besitz genommen, wie die Charvaten, Lncaner, Düdleber und andere, ans denen das böhmische Volk hervor- ging, unterschieden sich durch Dialecte nnd gewiß auch durch ihren Charakter. Dies kann man auf Grund der Nachricht des Kosmas, der den Stamm der Lucanen stolz und protzig nennt, annehmen. Die sprachlichen Verschiedenheiten kann man noch heute hier und da in dialektischen Überresten, namentlich im Nordosten und Westen beobachten, die Charakterunterschiede jedoch treten nicht mehr so scharf hervor, wie dies etwa noch bei den heutigen Cechen in Mähren der Fall ist; nur daß die Bewohner im Süden Böhmens im Ganzen ernster sind als die lebhaften Bewohner des Nordens und Ostens. Dabei muß man allerdings auch die verschiedenen Boden- und Erwerbsverhältnisse in den erwähnten Gegenden berücksichtigen. Als ein Ast des großen slavischen Stammes hat das böhmische Volk gewisse Grundzüge des slavischen Charakters, dabei aber doch noch besondere Züge. Die Lage des Landes, die Nachbarschaft, besonders aber große historische Begebenheiten, jähe Katastrophen von weittragenden Folgen konnten unmöglich ohne Einfluß auf den moralischen Charakter der Slaven Böhmens bleiben. Man muß hier namentlich jenen ungeheuren Umsturz hervorheben, der nach der Schlacht am Weißen Berge im religiösen, politischen und socialen Leben vor sich ging. Damals mußte der nationale Adel zum großen Theil sammt der sonstigen Intelligenz in die Verbannung gehen, das Volk, durch langwierige Kriege verarmt, verfiel immer mehr und mehr in drückende Untertänigkeit. Es ist begreiflich, daß das böhmische Volk, das sich einst für große Ideen erwärmte nnd für sie auch mit großer Begeisterung kämpfte, unter solchen Verhältnissen, zumal für seine Bildung nur wenig gesorgt wurde, während dieser Zeit sein einstiges Selbst- bewußtsein verlor und daß in ihm auch Mißtrauen gegen Fremde und die Herren und auch jene bäuerliche Pfiffigkeit, die „vor den Herren klagt und hinter dem Thore lacht" (pteä stFskä si, vrat^ si) aufkeimte. Doch gerade das zeugt von dem gesunden Kern, von der unverwüstlichen Lebenskraft und auch von der großen moralischen Stärke, die dem böhmischen Volke innewohnt, daß es unter schweren Verhältnissen, während seine Sprache von Schulen und Ämtern ausgeschlossen war, sich frühzeitig aufraffte und Alles in Angriff nahm, was seine Sprache und Nation verherrlichen sollte, so daß es nach hundertjähriger Arbeit heute in der Cultur anderen, auch vorgeschrittenen Nachbarn durchaus nicht nachsteht. Das Alles ist mit großen Opfern und mit jener Begeisterung, von der das böhmische Volk, wenn es sich um nationale Aufgaben handelt, stets erfaßt wird, geschehen. Denn es ist seinem Wesen nach von cholerischem Temperament: leicht wird es
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Volume 14
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Böhmen (1)
Volume
14
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1894
Language
German
License
PD
Size
15.78 x 21.93 cm
Pages
634
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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