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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Volume 14
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Page - 398 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Volume 14

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398 halb Fisch; zur Nachtzeit kommt auch der Wassermann aus den Wässern, ein näselndes Münnlein ohne Daumen an der linken Hand, im grünen Rock, aus dessen linkem Schößel das Wasser heruntertröpfelt; er birgt in Töpfen die Seelen der Ertrunkenen. Indem er am Ufer oder auf einer Weide sitzt, kämmt er sich das lange röthliche (auch grüne) Haar oder näht an seinen Stiefeln. Es gibt eine ganze Reihe von Sagen von diesem verderblichen Wasserwesen, das sich in mannigfache Gestalten verwandeln kann, bald in einen Krebs, bald in eine auf dem Wasser schwimmende Laterne, in einen Rappen ohne Unterlippe, den man nur mit einem Baststrick, sonst aber gar nicht fesseln kann. Znr Nachtzeit treiben sich auch im Walde geheimuißvolle kleine Hunde (v^2lata) herum, und wehe dem, der es wagen würde, auf sie zu schießen. Wer im Walde übernachten muß, kann sich nur dadurch gegen sie schützen, daß er drei Kreuze auf dem Baumstock macht, bei dem er sich lagert. Und draußen auf deu Feldern, über Morästen, schweben die Irrlichter (svötMa, das sind die Seelen umgetaufter Kinder, und locken die Verirrten in Sümpfe, oder es leuchtet im Dunkel der Feuermann (oknivF inu/), oder fliegt in der Höhe als eine Feuerkugel mit einem Feuerschweif (svötlonos). Dieser läßt sich auf den Rauchfängen nieder, läßt hier Schätze hinunterfallen, dem plivnik oder (Drache) ähnlich, der auch in der Nacht Alles in Fülle bringt: Getreide wie Geld, aber schließlich die Seele Desjenigen verlangt, dem er so gewogen war. Ein bleibender Gast, einHausgott ist der Zvtek (ski-itek, äiblik, kvspvcküliöek, Hausgeist). Sein Cultus hat sich aus der Verehrung verstorbener Familienmitglieder, deren Seelen beim Hausherde verbleiben und die Geschicke der Familie theilen, entwickelt. Das Christenthum hat zwar diese Anschauungen verändert, aber nicht ausgemerzt. Aus gute« Hausgöttern sind neckische Wesen höllischer Abkunft, die jedoch im Allgemeinen gut und hilfreich sind, geworden. Dieser Hausgeist entsteht aus dem Ei einer schwarzen Henne, das jedoch kleiner sein muß als ein Tanbenei. Wenn Jemand dieses Ei neun Tage und Nächte unter der linken Achsel trägt, ohne sich zu kämmen und zu waschen und ohue zu beten, so geht ihm daraus ein Hausgeist, der ihm dann dient, den er aber nie loswerden kann, hervor. Manchmal verwandelt sich der Hausgeist in einen grauen oder schwarzen Kater, nnd wer ihn hat, der kaun dann Schätze suchen, Diebe im Spiegel zeigen und Geister beschwören. Manchmal birgt er sich als Schlauge unter der Hausschwelle und heißt dann Iwspocküi- (der Wirth). Die geschilderten Wesen und auch andere erscheinen am meisten und haben auch die größte Macht in der Nacht vor dem heiligen Johannes dem Täufer. Wenn aus den Bergen die Johannisfeuer aufleuchten, aus deren Funken die Johanniskäfer entstehen, da zeigen sich bläuliche Flammen an Stellen, wo vergrabene Schätze liegen; in dieser Nacht blüht das Farrnkrant mit goldener Blüte nnd verschiedene Geister und Hexen treiben sich herum.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Volume 14
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Böhmen (1)
Volume
14
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1894
Language
German
License
PD
Size
15.78 x 21.93 cm
Pages
634
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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