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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Volume 14
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402 Von der Libitzer Burg aus ließ sie eine hölzerne Schanze auf den nahen Berg Oskobrh, von dem so manche Ortssage zu erzählen weiß, aufführen. In der Sage lebt auch der Edelmann Horymir, der unter dem heidnischen Fürsten Krefomysl, nachdem er die Bergwerke zerstört hatte, durch den fabelhaften Sprung seines Pferdes Semik vom Vysehrader Felsen dem sicheren Tod entging. Heutzutage zeigt mau noch in Neumetel die Stelle, wo der treue Semik begraben wurde. Aus der ersten Zeit des Christenthums rühren so manche legendäre Sagen von der heiligen Lndmila, von ihrer Schnur und Gegnerin, der Fürstin Drahomira, der Mutter des heiligen Wenzel, welche nach der Sage, die ihr gewiß Unrecht thut, noch zu Lebzeiten am Pohorelec vor der Prager Burg in den Boden versank. Vom heiligen Wenzel „dem Beschützer und Patron des Böhmerlandes" gibt es einen ganzen Sagencyklus, von seinem Leben, von den Stätten seiner Wirksamkeit in Prag, von seiner Ermordung uud von den Wundern, die darnach geschahen, davon, wie vielmal er das böhmische Heer beschützt und ihm zum Siege verholseu hat, wie die Böhmen immer gesiegt haben, wenn sie unter seinem Banner fochten. Der heilige Wenzel läßt es, wie man in einem viele Jahrhunderte alten Liede betet, nicht zu, daß das böhmische Volk untergehe. Darnm glaubt das böhmische Volk an ihn und seine Hilfe, wie es die Sagen von den Rittern im Blanikberge bestätigen. In der Nähe der Stadt Vlasim erhebt sich beim Städtchen Lonnovitz ein waldiger über 600 Meter hoher Berg — Blanik —, auf dessen Gipfel man uralte Befestigungs- mauern sieht. Von der Bnrgveste sieht man heutzutage keine Spur mehr. Uud in diesem Berge Blanik schlummern die Wenzelsrit ter, sie schlummern und warten, bis sie in den Kampf gerufen werden. Die Sage erzählt in den mannigfachsten Variationen, wie Leute unter die Blanikritter gerathen sind, der Hirt, das Mädchen, der Schmied, der die Ritterpferde beschlagen mußte und wie er dafür belohnt wurde. Und alle, die in den Berg hineinkamen, verweilten dort über ein Jahr, obgleich sie glaubten, sie wären dort nur eine Weile gewesen. Unter dem Gipfel des Blanik ist ein Felsen, der die Gestalt eines gebrochenen Bogens hat. Dort ist der Eingang in den Berg. Dort entspringt auch eine Quelle, wo die Blanikritter ihre Pferde tränken, wenn sie nach langer Zeit wieder einmal in einer hellen Mondnacht auf die Wiese zwischen den Wäldern am Fuße des Berges reiten, um sich dort Ritterspielen hinzugeben. Während einer solchen Nacht ertönt in der Umgebung ein dumpfes Getöse, gedämpfter Trommelschlag und Trompetenschall. Des Morgens sieht man dann auf der Wiese unzählig viele Spuren von Pferdehufen. Aber in den wirklichen und schwersten Kampf werden die Blanikritter erst ziehen, bis es in Böhmen am ärgsten ist, bis es hier so viele Feinde gibt, daß sie das ganze Königreich an den Hufen ihrer Pferde verschleppen könnten. Dann werden die Baumwipfel im Blauiker Walde dürr, auf dem Gipfel des Berges wird eine alte dürre
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Volume 14
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Böhmen (1)
Volume
14
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1894
Language
German
License
PD
Size
15.78 x 21.93 cm
Pages
634
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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