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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Volume 14
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471 Friedhofe: „Mutter, liebe Mutter, wem hast du uns befohlen?!" „Wem andern, liebe Kinder, als Gott dem Herrn! Ihr beiden, die ihr größer seid, hütet einer den andern! Für das allerkleinste Knäblein wird der Herrgott selbst mir sorgen." In der Form sind es zwei Merkmale, die das lyrische Volkslied der Böhmen charakterisiren. Im Ausdruck liebt es das Diminutiv: „Väterchen", „Mütterlein", „Schwesterchen", „Brüderlein"; dem Mädchen geht nichts über ihr „Jägerlein" in seinem grünen „Jäckchen", dem Geliebten nichts über sein liebes „Herzchen" mit ihren schwarzen „Äugelein", dem Mann nichts über sein „Weiberl mit dem schmucken Hänberl". Diese zärtliche Verkleinerung geht selbst auf leblose Dinge über: nicht „Nachtigall — slavilc-, sondern „Nachtigallchen — slavieek"; nicht „hinter unserer Scheune — stockola", sondern tou nasi stockoliekou"; nicht „auf unserem Holzplatz — nütoni«, sondern tom nasem näwniöku"; nicht „Schaufel — lopata", sondern »lopatlca* zc. ?c. Das zweite Kennzeichen des Volksliedes, und dies nicht blos des lyrischen, ist die Anknüpfung des Gedankens an einen äußerlichen Vorgang oder Gegenstand, und zwar immer aus der umgebenden Natur. Mitunter ist es nicht einmal ein Anknüpsnngs-, sondern ein bloßes Eingangsbild, weil sich ein innerer Zusammenhang desselben mit dem Gedanken, der folgt, nicht finden läßt, zum Beispiel: Das Wasser fließt, es fließt auf die neue Mühle — Wie schwer ist es zu lieben, was nicht zum lieben ist. oder: „Was ist das für ein Würzelchen, das Farnkraut? Schon führen sie dich, mein Mädchen, nach Prag! Was ist das für ein Würzelein, der Schneeball? Schon führen sie dich, mein Liebchen, dorthin, wo du nie gewesen bist". Sinnvoll wird häufig die Rose zum Anknüpfungsbild genommen, im guten, aber auch im bösen Sinn, ebenso der Apfel, von Sträuchern der Bachholder (Schneeball, vidurnum opuws): „Ach die Rose fällt ab, mein Geliebter geht von mir." „Aus dem Dornstrauch sticht die Rose wie die falsche Maid, Dornenröslein sticht die Hand und die falsche Maid das Herz." Zum wankel- müthigen Mädchen singt der Bursche: Es kugelt sich, es kugelt das rothe Äpfelein, Wer wird dich wohl kriegen, mein liebes Mägdelein? Die Braut scheidet aus dem Elternhaus, sie sagt traurig zu ihrer Mutter: „Bald wirst du mich verlieren, wie der Baum das Äpfelein", und zu ihren Freundinnen: „Bald werdet ihr mich verlieren, wie die Ähre das Korn". Doch der Geliebte tröstet sie: Warum du Bachholder stehst du im Gerinne? Weil du gar sehr die Dürre fürchtest? Bleib mein Schneeball, fürcht' dich nicht Mein Mädchen überleg' es wohl?c. Das Diminutiv und das Anknüpfungsbild, so häufig sie iiu Volkslied wiederkehren, bilden doch nicht das Wesen desselben; ein Gedicht, das beides pflegt, ist darum noch kein
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Volume 14
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Böhmen (1)
Volume
14
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1894
Language
German
License
PD
Size
15.78 x 21.93 cm
Pages
634
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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