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und stärkt die rege Strebsamkeit, fördert aber auch anderseits schon das Behagliche,
Behäbige. Hier blühen Schaffens- und Lebensfreude harmonischer als in den meisten
anderen Gebieten, gedeihen Frei- und Frohmuth, Herzlichkeit und Gastlichkeit, und dem
thätigen, umsichtigen, fortschrittlichen und darum auch in der Regel verhältnißmäßig wohl-
habenden Korn-, Weizen-, Hopfen- und Rübenbauer des Saazer Landes, insbesondere
des Aubachthals, des Podersamer und Kaadener Bezirkes, merkt man es bald ab, daß
er einer der tüchtigsten, gebildetsten und vorgeschrittensten Grundwirthe des Reiches ist,
wenn er es auch in der Regel nicht mit dem selbstbewußten Eigengefühl zu erkennen gibt
wie Bewohner mancher Nachbar-Gaue.
Einen anderen Übergang in ein nächstes Hauptgebiet der Volksart Deutschböhmens
vermittelt, indem wir den theils an den Saazer Gau, theils an das Erzgebirge sich
anschließenden, gleichfalls hochentwickelten Brüxer Bezirk durchschreiten, der Biela-Gau,
der dem deutschen Elbegebiete vorgelagert ist.
Egerabwärts unterhalb Saaz in der Postelberger Landschaft, fast bis gegen die
cechische Sprachgrenze hin, macht sich noch kein besonderer Unterschied geltend. Etwas
selbständiger tritt der Dialect der Brüxer, Komotauer, Görkauer und Duxer Bezirke auf.
Der helle singende Vortrag, die weichere Wortbildung und kurze Aussprache lassen etwas
nach. das „r" wird schärfer betont. Die Leute an der Mittel-Eger sagen: diese Nachbarn
„schnarren". Zwischen Brüx und Teplitz liegt die Dialectscheide. Eine ausgesprochene
Eigenart erreichen Volksart und Volkssprache jedoch erst wieder im tieferen Elbegebiete,
im Aussig-Leitmeritzer Gau und noch mehr in dem sogenannten „Niederlande".
Der Volkscharakter des Bewohners an der Elbe läßt sich (und dies gilt auch zum
Theil vom Leipa-Gau) in der Hauptsache jenem derBewohner des Saazer Landes (Mittel-
Eger) angliedern. Die reiche, schöne, meistentheils ebenfalls sehr fruchtbare Natur, die
auch den Elbe-Gau, besonders aber das Leitmeritzer Gebiet auszeichnet, der mit seinen
Obstwäldern, Weinbergen, Gemüse- und Getreidefeldern in der That den ihm oft bei-
gelegten Namen eines kleinen Elbe-Paradieses rechtfertigt, haben auch den deutschen
Elbelandbewohner, hauptsächlich jenen der Thalniederungen hinsichtlich der Charakter-
entwicklung dahin beeinflußt, daß er der milderen Art in Sprache und Sitte sich zuneigte,
welche durch Herzensgüte, Gastlichkeit, Thatfreudigkeit, Beweglichkeit, Rechtlichkeit,
Arbeitsgeschicklichkeit, Betriebseifer und Bildungsfähigkeit hervortritt. Der wechselvolle
lebhafte Verkehr auf und längs der Elbe, den die vielbefahrene Wasser- und die Schienen-
Straße der Elbethalbahn vermitteln, trug seit längerem zur steten Erweiterung des Volks-
gesichtskreises im Allgemeinen, wie zur Erhöhung und Belebung der Volksbetriebsamkeit
bei. Zu den besonders charakteristischen Volksfiguren gehörten die Schiffsbauern. Noch
in den Siebziger-Jahren dieses Jahrhunderts hatte mancher Bauer an der Elbe von
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (1), Volume 14
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (1)
- Volume
- 14
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1894
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.78 x 21.93 cm
- Pages
- 634
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch