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zählende Reischdorf (im Erzgebirge) und Marschendorf im Riesengebirge die Bevölkerungs-
zahl so mancher Kleinstadt. Warnsdorf zum Beispiel, die nun mit ihren 18.476 Einwohnern
bereits die elfte Stelle unter den Städten Böhmens einnehmende Industriestadt, ist erst
in den letzten Jahrzehnten aus einer Anzahl solcher Dorfschaften entstanden.
Die Anlage der Städte in Deutschböhmen fußt zumeist auf dem sogenannten
Ringsysteme. Wo es die Bodengestaltung nur einigermaßen zuließ, finden sich stattliche
Ringplätze (wie in Eger, Falkenau, Kaaden, Saaz, Preßnitz, Komotan, Brüx
^drei Ringes, Görkau, Dux, Biliu, Leitmeritz, Aussig, Leipa, Tetschen, Rum-
burg, Reichenberg, Trantenan, Arnan, Budweis), die trotz ihrer Benennung
von recht- oder viereckiger Form sind, mit hochgiebligen schmucken, oft auch architektonisch
hervorragenden Bürgerhäusern und den charakteristischen „Vorlanben"-Gängen, die
stellenweise den größten Theil der Ringplätze umsäumen und dem Stadtbilde, wie
zum Beispiel besonders in Arnau, ein ganz individuelles Gepräge geben. Im Flachland
herrscht seit einem Jahrhundert bereits fast allgemein der Steinbau nahezn ausschließlich
vor, der sowohl im Stil der ansehnlicheren Bürger- und Geschlechtshäuser, wie in den
Jnnkerschen und Schirndingerschen, den Typen reicherer Patrizierhäuser, dem Altrathhause
und der interessanten sogenannten Stöckelgruppe in Eger eine ausgeprägt deutsche
Eigenart bekundet und sich in manchem Baudenkmal, wie in der gothischen Domkirche zn
Eger, dem Rathhaus und Spitzthurm in Kaaden, den Stadtkirchen in Saaz, Komotan,
Brüx, Hohenelbe, dem einstigen Altrathhaus in Brüx (deutsche Frührenaissance), dem
Kelchhaus in Leitmeritz, dem Rathhaus iu Reichenberg nnd vielen anderen zu bemerkens-
werthen architektonisch oder durch besondere Eigenart hervorragenden Leistungen empor-
geschwungen hat. Zumeist ganz moderne, vorherrschend großstädtische Anlagen und
Formen weisen die berühmten Enrstädte Deutschböhmens: Karlsbad, Teplitz, Marienbad,
Franzensbad und Johannisbad (Riesengebirge) auf, die infolge ihrer vielen internationalen
Gäste und Verkehrsbeziehungen über den eigentlichen Volks- und landesüblichen Architektur-
charakter ihrer Umgebung in den letzten Jahrzehnten jäh hinausgewachsen sind.
Was die Wohnstätten der Masse des Volkes, der Landbevölkerung Deutschböhmens
betrifft, so folgt die Hof- und Hausanlage in der Regel dem in Deutschland und Mittel-
europa überhaupt am weitesten verbreiteten fränkischen Typus, wie er sich am Rhein,
in Mittel- und Süddeutschland, in Schlesien, in Steiermark und bis nach Siebenbürgen
hin vorfindet. Im Flachlande und in den Flußthälern, wo die Ebene sich weitet und die
Fruchtfülle ebenso ins Breitere und Reichere drängt als der behaglichere Sinn der
Bewohner, herrscht die fränkische Anlage mit ihrem Gevierthof und der selbständigen
Ausgliederung in Haupthaus und Nebengebäuden (Ställen, Speichern, Schupfen,
Scheunen u. s. w.) fast ausschließlich vor. In den Gebirgsgegenden und in den ärmeren
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (1), Volume 14
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (1)
- Volume
- 14
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1894
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.78 x 21.93 cm
- Pages
- 634
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch