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in Scene gegangen, den der große biblische Text, der in den Gemüthern so tiefe religiöse
Wirkungen erzeugt, im vollen Maße verdient. Der grundlegende Verfasser des Höritzer
Passionsspiels war ein einfacher Leinweber, Namens Paul Gröllhesl im Markte Höritz,
er bearbeitete sein Spiel 1816 nach dem seinerzeit vielgelesenen Volksbuche: „Das große
Leben Christi" vou P. Cochems. Vom Jahre 1816 bis 1840 wurde das Originalspiel
von den Höritzer Bewohnern ohne Costüme, blos in Sonntagsgewändern, gespielt; dann
wurden die Anfsührnngen, nach mehrjährigen Zwischenräumen immer wiederholt, mehr
und mehr bühnenmäßig abgerundet durch einen Bühnendilettantenverein, den Wenzel
Tahedl gegründet; die Richtigstellung und Ergänzung des Textes, wie er den neuesten
Aufführungen zu Grunde liegt, hat Professor I. I. Amman» auf Veranlassung des
deutschen Böhmerwaldbundes besorgt; ans Betreiben des Obmanns dieses Bundes, des
Herrn Josef Taschek in Bndweis, folgten die weiteren Vorarbeiten zn den großen Auf-
führungen des Passionsspiels im Sommer 1893; die Lieder und musikalischen Begleitungen
der Handlung wurden neu vertont, ein eigenes Schauspielhans mit elektrischer Beleuchtung
und für 1500 Zuschauer wurde erbaut, entsprechende Decorationen hergestellt, eine
große Orgel für das Orchester aufgestellt und eine dauernde Bühnenleitung wnrde
ernannt; für die Kosten sorgte der deutsche Böhmerwaldbund. So verbreitet und aus-
gestattet wurde das Passionsspiel zu Höritz von den Bewohnern des Marktes würdig
einstndirt und erfolgreich dargestellt. Groß war derZuzug von Einheimischen und Fremden;
tief war die Nachwirkung des dargestellten biblischen Stoffes, sowohl der Bilder, die der
Haupthandlung, dem Leiden und Sterben Christi, vorhergingen, wie der Haupthandlung
selbst. Der deutsche Böhmerwald hat mit diesem großen gelungenen öffentlichen Spiele
ein neues Interesse, eine dauernde Anziehung gewonnen und hoffentlich wird das neu-
erbaute Schauspielhaus des Passionsspiels, das wir im Bilde bringen, nach regelmäßigen
Zwischenräumen noch lange Zeit seine ehrwürdigen Bilder und seinen tiefergreifende»
Lebens- und Leidensgang Christi zur Erscheinung bringen zur veredelnden Weisung,
Stärkung und Erbauung der Gemüther!
Mariencultus. Der fromme Grundzug im Charakter des Böhmerwälder Volkes
tritt in zahlreichen Erscheinungen zu Tage: im Eifer des Kirchenbesuchs, in der Haus-
audacht, im Aufstellen von Feldkapellen, vergoldeten Kreuzen und Steinsäulen mit Marien-
bildern an Feldmarken und Straßenrändern. Selbst an den einsamsten Waldstellen findet
man Christus- und Marienbilder an Baumstämmen, von Moos und Zweigen umwuchert;
auch viele Unglücksstätten haben ihre Gedenktafeln mit bildlichen Darstellungen unter den
Schutzgestalten Christi und Mariens. Der Mariencnltns sitzt tief im Gemüthe des Volkes
und kommt in zahlreichen Andachten der Kirche, des Hauses uud bei Processionen und
Wallfahrten zum Ausdruck.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (1), Volume 14
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (1)
- Volume
- 14
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1894
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.78 x 21.93 cm
- Pages
- 634
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch