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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Volume 14
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Page - 604 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Volume 14

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604 Die Dialecte der Deutschen. In wechselnder Ausdehnung, bald breiter, bald schmäler, zieheil sich (einige Lücken abgerechuet) um Böhmen herum die von deutschen Volksstämmen besiedelten Striche. Am tiefsten gegen die Mitte zu reicht dieses deutsche Sprachgebiet auf der Linie Asch- Mauetiu; in dieser Gegend und im Norden befinden sich die ausgedehntesten Strecken deutschen Landes. Keiner vou den Dialecten, welche die deutsche Bevölkerung dieses Randgebietes spricht, ist ein besonderer deutsch-böhmischer; im Rücken eines jeden von ihnen, jenseits der Landesgrenze, dehnt sich in allen Fällen erst das räumlich größere Sprachgebiet ans, zu dem der jeweilig entsprechende Theil in Böhmen sich als ethnographischer Vorposten verhält, der über die Berge herüber sich vorschob. Diese Thatsache zeugt mehr als alles Andere gegen die Annahme, als ob das heutige Deutschthnm Böhmens nnmittelbarer Sprosse aus Markomannenzeiten wäre; sie spricht entscheidend dafür, daß das Deutschthum — hier früher, dort später — erst nach dem slavischen Vorstoße gegen Mitteleuropa wieder iu die alten Sitze eindrang, und zwar eindrang mit cnltnrellem Ziele und von den verschie- denen Seiten her coneentrisch nach dem politischen Mittelpunkt. Im Westen erfolgte die älteste, früheste Einführung deutscher Bewohner. Mit dem XI. Jahrhundert wurde das Egerland vom deutschen Reiche aus mit neuen Besiedleru überflutet und von ihm aus drang schon in staufischer Zeit deutsche Art weit im Elbogeuer Lande vor. Im Süden waren es theils uralte Haudelswege, theils zeitweilige dynastische Zusammengehörigkeit von Nachbargebieten, welche Deutsche wiederum herüberbrachte». Im Norden erwarben besonders Bergban und Industrie Sitze für deutsche Thätigkeit und deren Träger; hier und im Nordwesten, ja auch im ganzen Osten zogen noch später mit deutschen Einwanderern Handel und Großindustrie zu reichstem Aufschwünge ein. Weise Herrscher Böhmens, auch solche slavischen Blutes, erkannten die Bedeutung deutscher Betriebsamkeit für den Aufschwung des Landes und zogen zur größeren Verstärkung des Dentschthnms immer neue Ansiedler heran; ja, politische Ereignisse veranlaßten oft geradezu ein gesteigertes Hereinkommen, wie dies z. B. nach den Hnsitenkämpfen und dem böhmischen Aufstand der Fall war. Hatte« sich die zu einem Stamme gehörigen, von der gleichen Seite herkommenden Ansiedler bereits längere Zeit im neuen Gebiete niedergelassen und erfolgten dann Zuzüge später und einzeln von woher immer, so wurden die neuen Ankömmlinge leicht der Art der Mehrheit angegliedert; nnr wenn der Einzug der ueueu Elemente in größerer Zahl aus anderem Stamme geschah, behielten sie auch im neuen Sitze Sitte nnd Sprache der Väter, es bildeten sich Sprachinseln innerhalb des deutschen Gebietes, wie sie nach einer Flucht lauger Jahre noch heute zu erkennen sind.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Volume 14
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Böhmen (1)
Volume
14
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1894
Language
German
License
PD
Size
15.78 x 21.93 cm
Pages
634
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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