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unteren Elbe mit den Flußgebieten der Biela nud des Polzen. Das Schlesische begiunt
am Jeschkenberg; sein Bereich zieht über die Hänge des Riesen- uud des Adlergebirges
und schließt noch die oben abgegrenzten Stücke bei Laudskron (den nach Böhmen fallenden
Theil des Schönhengstler Ländchens) und bei Stecken (die nördliche Hälfte der Jglaner
Sprachinsel) ein. Dem Baierisch-Österreichischen fallen dasNenbystritzer Gebietssti'ick,
der Südrand des Landes, das Thal der oberen Moldau, wie der Osthang des südlichen
Böhmerwaldes zu. Das Nordgauische endlich reicht in einem langen, aber schmalen
Streifen von Eisenstein bis zum Tscherchowberg, umsäugt aber hinter der Klentscher
Sprachenge, wo das Cechoslavische fast bis an die Landesgrenze herantritt, ein nord-
wärts sich immer mehr weitendes Gebiet, die Flußgebiete der Mies, der Tepl und der
mittleren Eger, uud drängt am Erzgebirge aufwärts, von dem es nur eiueu schmalen
Streifen für das Obersächsische freiläßt, den höchsten Kamm.
Zwei von diesen Dialekten gehören ganz nnd entschieden zum mitteldeutsche» Sprach
stamm, das Obersächsische uud das Schlesische; sie halten in- und auslautendes p noch
auf dem niederdeutschen Sprachstande, während es die oberdeutsche» Dialeete zum ps
verschoben. Ihre Hauptgebiete liege» jenseits der Landesgrenze an der mittleren Elbe nnd
an der oberen Oder, im größeren Theile des Königreichs nnd der Provinz Sachsen nnd
Ober- wie Niederschlesiens. Dem oberdeutschen Sprachstamme fallen die Mundarten im
Süden zu, die als baierifch-österreichisch den Hauptstock ihrer Art in den Erzherzogthümer»
ob und unter der Enns, in Steiermark, Kärnten, Salzburg, Tirol, ferner in Ober- uud
Niederbaiern habeu. Mitteldeutsch, doch mit Annäherung an das Reinoberdeutsche ist
endlich das Nordgauische (Ostfränkische), dem über Böhmen hinaus die Oberpfalz vom
Regen und von der Altmühl bis zur oberen Eger, vom Pegnitzlaude bis zum Böhmer-
walde zugehört.
Eine scharfe Abgrenzung der Dialeete ist für Böhmen (wie ja überhaupt) nur unter
Vorbehalt möglich. Dort, wo zwei Dialeete aneinanderstoßen, findet gleichsam ein
allmäliges Hinübergleiten aus dem einen in den anderen statt, es besteht eine Zone von
Übergaugsmundarten. Ein Theil hat noch mehr die Eigenheiten des einen Dialeets neben
Elementen des zwe'ten; der andere Theil weist »lehr Charaktere des zweiten Dialeets
mit restlichen Spnren des ersten auf; jenen zählt man dann zum erste» Dialect, diesen
dagegen zum zweiten, aber stets mit Betonung des Übergangscharakters. Der Typus eines
Dialeets muß stets iu dessen Mitte gesucht werden. So bildet für das Nordganische das
Egerländische den Hauptkern; der Strich von Teplitz bis Tetschen gibt den reinsten ober-
sächsischen Dialect; im Riesen- und im Adlergebirge erklingt das unverdorbenste Schlesisch
und iu der Gegend von Kruman bis Gratzeu hört man die herrschende Sprachform des
Österreichischen. Nach den im Innern liegenden Mundarten nur ist der Charakter eines
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (1), Volume 14
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (1)
- Volume
- 14
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1894
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.78 x 21.93 cm
- Pages
- 634
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch