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an Einfluß, konnte sich aber in den Husitenstürmen, die dem Kunstleben Böhmens
schwere Schädigung brachten, nicht sofort weiter entwickeln.
Wenden wir uns den Denkmalen selbst zu, die unter den drei ersten Luxemburgern
entstanden, so verdient zunächst die während der Regierung König Johanns begonnene
Anlage des Augustiner-Chorherrenstistes Randnitz besondere Aufmerksamkeit. Bischof
Johann IV. von Drazitz hatte dasselbe 1333 gegründet und wahrscheinlich den zum Bau
der Elbebrücke berufenen Meister Wilhelm von Avignon mit dem Bau der Kirche betraut,
welchen derselbe freilich nicht vollendete, obzwar schon 1340 die Weihe erfolgte. Die streng-
klösterliche Anordnung des kleinen ungemein sorgfältig nndzierlich gearbeiteten Kreuzganges
neben der bafilicasörmig angelegten, mit langgestrecktem Chore ausgestatteten Kirche,
deren Seitenschiffe wie die au der Südseite vortretende Sacristei die alten Wölbungen
bewahrten, bietet im Fenstermaßwerke, den Schlußsteinen und Eapitäleu fein gearbeitete
Details. Das Wappen des Stifters, die drei aus einer Wnrzel entspringenden Weinblätter
der Herren von Drazitz, war sowohl hier als anch an dem Thurm der Prager Bischofs-
residenz, einem mit spitzbogiger Durchfahrt ausgestatteten Thorthurm aus sorgsam
bearbeiteten Steinen, als Schmnck angebracht. Es begegnet uns auch in der Vorhalle der
Prager Ägidiuskirche, die freilich erst am 4. Mai 1371 geweiht wurde und in der
dreischiffigen Hallenanlage mit den beiden auf mächtigen Pfeilern rnhenden Thürmen
nichts als den Typus der ursprünglichen Eintheilnng bewahrte. Um die Mitte des
XIV. Jahrhunderts erstand mit Unterstützung Ulrichs UI. von Neuhaus die heute arg
verwahrloste Kirche des ehemaligen Minoritenklosters zu Neuhaus, dereu linkes Seiten-
schiff später iu deu 1369 begonnenen Krenzgang einbezogen wurde, während die
Wölbungen des rechten nach den Wappen der Schlußsteine im XV. Jahrhundert bei
werkthätiger Förderung des Klosters durch Heinrich IV. von Neuhaus und seine Gemalin
Elisabeth vou Sternberg erneuert wurden. Nach dem Brande von 1339 wurde der Thurm
des Präger Agnesklosters aufgeführt, in welchem ein Schlußstein mit der schön sculpirteu
Figur eiues die Geige spielenden Engels und die Rippenprofile die Fortschritte der Zeit
erkennen lassen. Die bereits vor dem Regierungsantritt König Johanns begonnenen
Bauten großer Klöster wurden nun meist vollendet und neue Ordensniederlassungen, wie
z. B. das vom Könige selbst gestiftete, gleich beim Beginn der Husitenunrnhen zerstörte
Karthäuserkloster in Smichov, begonnen. Die Stadtkirche hielt an dem nnter den letzten
Premyslideu eingebürgerten Typus des dreischiffigen Langhauses mit ziemlich vortretendem
Presbyterinm, vor dessen polygonalem Schlüsse meist zwei oblonge Kreuzgewölbejoche
angeordnet wurden, durchschnittlich fest. Das zeigt die Kutteuberger Jakobskirche, eine
wirklich großartig und schön disponirte Hallenanlage mit zweithürmiger Fa^ade, reich
gegliederten Schiffspfeilern und trefflich durchgebildeten Fenstern; da die Vollendung
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Volume 15
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (2)
- Volume
- 15
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.07 x 22.35 cm
- Pages
- 708
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch