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des Ambrosiusklosters, der Sluper Kirche Maria im Grünen, der Apollinaris-, Heinrichs-,
Stefans- und Teynkirche, die Vollendung der Ägidi- und der Jakobskirche, des 1346
gegründeten Benedietinerklosters zum heiligen Geist und der 1370 geweihten Pracht-
kapelle der erzbischöflichen Residenz, die Befestigung des Vysehrad, der Neustadt, sowie
des Hradschius und Laurentiusberges, die Vornahme von Neu-, Zu- und Umbauten
in Strahov, im Thomaskloster, auf dem Vysehrad, im Zderas- uud Agneskloster uud
au anderen Orten tausend und aber tausend Arbeiter. Wie diese Thätigkeit in ihren
mannigfachen Wechselbeziehungen zum praktische« Leben dem Bürgerstaud im Allge-
meinen Wohlstand und Reichthum zuführte, so regten letztere wiederum den Bürger an,
an Stelle der früher beschränkten Wohnhäuser geräumige Neubauten aufzuführen und
behaglich auszustatteu. So herrschte in Prag in den Tagen Karls IV. eine geradezu groß-
artige, über alle Gebiete sich erstreckende Baubewegung, die nicht nur ungewöhnlich vielen
Meistern und Werkleuten lohnende Arbeit bot, sondern auch die Kunstanschauungen der
Zeit nachdrücklichst bestimmen mußte.
Und ebenso rührig wie in der Landeshauptstadt war man nahezu in ganz Böhmen.
Nene Klosteranlageu, wie das Cistercieuserstist Skalitz, die Minoriteuklöster Krumau
uud Nenhans, die Carmeliterniederlassnng in Tachau, die Augustiuer-Chorherrenstifte
Wittingau, Sadska, Rokytzau, Jaromer, Leitomischl u. s, w., wurden begonnen uud
rasch aufgeführt, wobei die Neueinführung einiger Orden, als der Karmeliter, Serviten,
Cölestiner, auch manche für die Architektur uicht uninteressante Einzelheiten vermittelte.
Die Erzbischöfe befestigten ihre Burgen und Städte, was auch die Adelige» über deu
zahlreichen Kircheubauteu nicht verabsäumten. Der Wohlstand der zu immer größerem
Reichthum gelangenden Städte bot auch den Bürgern die Mittel, hinter den geistlichen
und weltlichen Großen des Landes in der Aufführung gemeinnütziger nnd prächtiger
Baute» nicht zurückzubleiben. Rathhäuser und Hospitäler erstanden, die Besestigungswerke
wurden erweitert und entsprechender hergerichtet, großartige Stadtkirchen erhoben sich nun
entweder vollständig als Nenanlagen oder an Stelle der alten, die nicht mehr ausreichend
erschienen und ganz oder theilweise abgebrochen wurden. Das ganze Land glich sozusagen
einer einzigen großen Bauhütte, dereu Kuustbegrisse natürlich von jenen des bedeutendsten
Architekten abhängig bleiben mußten, »nd da auch Plastik und Malerei zu entsprechender
Ausstattung und Ausschmückung der Bauten herangezogen wurden, so erblühte aus dem
großartigen Aufschwünge der Architektur Böhmens unter Karl IV. zugleich ein wahrhaft
goldenes Zeitalter derKuust überhaupt in dem damals glücklichen und reich gesegneten
Lande, dessen Einwohner ruhig und friedlich neben- uud untereinander lebten.
Wie mit seiner Kunstthätigkeit, so steht Prag auch mit seiueu in dieser Zeit
vollendeten oder begonnenen Baudenkmalen im Vordergrund. Alle überragt der 1344
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Volume 15
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (2)
- Volume
- 15
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.07 x 22.35 cm
- Pages
- 708
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch