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damals zweischiffig angelegt, was vielleicht auch mit Zugrundelegung eines anderen
Planes in Patzau der Fall war. Ein trefflich disponirter einschiffiger Bau ist die Kirche in
Skutsch, in deren Presbyterium hübsch gearbeitete Consoleu mit Engels-, Jünglings- und
Mannesköpfen interessiren, während der vorgelegte Westthurm mit sonst nicht oft wieder
erscheinenden Sculpturresteu geschmückt ist. Auch die stattliche Kirche in Kardasch-Recitz
enthält noch Bautheile der guten Gothik. Die gothischen Presbyterieu romanischer Kirchen-
bauten, wie in Plauian, Kondrac u. s. w. wurden im XIV. Jahrhundert mit dem
Anwachsen der Bevölkerung der einzelnen Pfarrsprengel immer zahlreicher. Wie schlicht
Landkirchen und Kapellen ausgeführt wurdeu, zeigt z. B. die Kirche in Nenern, welche
mit dem nördlich angeschobeneu, aus dem Viereck ins Achteck umsetzenden Thurme au
die Anordnung der älteren Friedhofskapelle in Taus mahnt. Die 1361 geweihten, im
XVII. Jahrhundert umgestalteten beiden Kirchlein des heiligen Ulrich und Prokop in
Kienberg sind höchst einfach; während ersteres originell profilirte Streben, cordonirte und
diamantirte Thürleisten, sowie am Sockel der Chorwanddienste Rauten- und anders
dessinirte Formen bietet, hat letzteres bei dem Mangel der Strebepfeiler an dem gleichfalls
polygonalen Thorschlüsse die kleinen, spitzbogigen Maßwerkfenster noch bewahrt. Trotz der
Ungunst der Zeiten, welche in den Religionskriegen, sowie bei den Geschmackswandlungen
späterer Jahrhunderte den Bestand der 1384 genannten, ungemein zahlreichen Landkirchen
und Kapellen sehr stark lichtete, haben sich doch noch so manche derselben erhalten, ohne
jedoch etwas künstlerisch Hervorragendes oder Charakteristisches zu bieten. Handwerks-
mäßige Ausführung, schlichte Einfachheit und Beschränkung auf das Nothwendige und
Landläufige treten vorwiegend zu Tage.
Obzwar die Regierung Karls IV. eine langdauernde war, Böhmen während derselben
im Allgemeinen von schweren Heimsuchungen verschont blieb und die geistige und materielle
Entwicklung eine gedeihliche war, so wurden doch verhältnißmäßig nicht viele der großen
Bauwerke noch bei Lebzeiten des Herrschers vollendet. Flossen der Bauführung derselben
auch aus frommen Stiftungen, Testamenten, Geld- und Materialspenden reichliche oder
wenigstens durchschnittlich auslaugende Mittel zu, so überhastete man doch nicht die
Fertigstellung, die im Ganzen mit strenger Wahrung der Solidität Hand in Hand ging.
Daher fiel die Vollendung, ja mehrfach die Einstellung des Betriebes der großen Bauten
nach dem Abschluß gewisser Haupttheile erst in die Regierung Wenzels IV., unter welcher
die Bauführung hinsichtlich aller früher erläuterter Detailfragen zumeist sich innerhalb der
bereits durch jahrzehntelangen Brauch fixirteu Grenzen bewegte. So erfolgte unter dem
genannten Herrscher die Einwölbung und Weihe des Domchors und nach mehrjähriger
Unterbrechung die Grundsteinlegung zum Weiterbau des Doms; so baute man noch im
Beginn des XV. Jahrhunderts an der großen Moldaubrücke, für deren Herstellung auch
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Volume 15
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (2)
- Volume
- 15
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.07 x 22.35 cm
- Pages
- 708
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch