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Die Innenausstattung der Gotteshäuser und Wohnräume stellte auch der Holz-
bildnerei zahlreiche lohnende Aufgaben. Gegen das Ende des XIV. Jahrhunderts stand
dieselbe wie die Steinplastik unter dem Einfluß der Parler'schen Richtung, deuu nach
Vollendung des Prager Domchors übernahm Peter Parler selbst die Herstellung des
leider nicht erhaltenen Chorgestühls. Die während der zweiten Hälfte des XIV. Jahr-
hunderts steigende Marienverehrung führte zur Anfertigung schöner Marienstatuen, wie in
der Prager Teiukirche, in der Propsteikirche zu Neuhaus, in der Erzdechanteikirche zu
Pilsen, in der Kirche zu Reichenau, im Museum zu Eger; der fromme Glaube des Volkes
bezog die Herstellung einzelner auf den um die Belebung des Mariencultus hochverdienten
Erzbifchof Ernst von Pardubitz. In einzelnen der jetzt sich mehrenden städtischen Museen und
im Privatbesitze haben sich ziemlich zahlreiche Überreste von Holzscnlptureu des XIV. und
XV. Jahrhunderts erhalten, Außer dem fein eomponirteu Rahmen des städtischen Museums
in Prag und dem Prager dornengekrönten, die Wundmale zeigenden Christus ragen durch
edle Auffassung je eine heilige Barbara und eine heilige Katharina im Museum zu Pilsen
und im Leitmeritzer Diöeesanmnseum, sowie eine heilige Ludmila im Besitz des Fürsten
Adolf Josef zu Schwarzenberg hervor, während sonst z. B. in der dem archäologischen
Vereine ,Vc>eeI« zu Kuttenberg gehörigen „Dornenkrönung", in der Ludmila- und
Adalbertfigur aus der Kapelle des wälscheu Hofes uud zahlreichen Einzelngestalten des
Egerer Museums handwerksmäßige Tüchtigkeit ohne hervorragende Originalität sich zeigt.
Ungemein tiefes Gefühl durchdringt die Knttenberger Christusstatue vou 1511, die wahr-
scheinlich der einheimische Meister Jakob ausgeführt hat. Namentlich wurde die Holzplastik
durch die Aufstellung der damals üblichen Altarschreine gefördert, vou denen sich einige
vollständig erhalten haben, während von anderen nur das Hauptstück auf uns gekommen
ist. Zu den ersteren zählt außer dem wohl der Zeit Wladislaws II. entstammenden
Pürglitzer Altar der gleichfalls deutschen Einfluß zeigende Altar der Aussiger Decanal-
kirche, der wieder die Anfertigung des 1493 in der Kirche zu Klapay bei Lobositz geweihten
Flügelaltars beeinflußt zu haben scheint und scharf charakterisirte Gestalten zeigt. Das
im Auftrag eines Herrn von Martinitz ausgeführte Altarwerk in Smecno nähert sich
im Ornamentalen den Chorstühlen der Barbarakirche in Kuttenberg, in welcher Meister
Jakob 1502 einen prächtigen, 1675 beseitigten Flügelaltar mit der Hauptdarstellung des
letzten Abendmahls aufgestellt hatte. Eine weit derbere Durcharbeitung zeigen die Ehrudimer
Werke, wie z. B. der Flügelaltar der Decanalkirche, der schon in der Anordnung der
Himmelfahrt Mariä ein Abgehen von der sonst üblichen Darstellungsweise und auch auf
den die Flügel zierenden Scenen der Verkündigung und Heimsuchung Mariä, der Geburt
Christi und der Anbetung der Könige einige originelle Züge ausweise Der Seeberger
Altar von 1498 und der 1520 für die Jodokuskirche in Eger geweihte Flügelaltar,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Volume 15
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (2)
- Volume
- 15
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.07 x 22.35 cm
- Pages
- 708
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch