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die heute im Egerer Museum stehen, nähern sich dem Durchschnittsmaß handwerksmäßiger
fränkischer Arbeiten, während die Barbara im Mittelschrein des Selauer Seitenaltars
sächsische Einwirkungen zeigt, die ja auch auf dem Flügelaltar der „vierzehn Nothhelfer-
kapelle" des Franciscanerklosters in Kaaden sowie auf der ausFreiberg stammenden „Tafel"
des Heiligengeistspitals in Graupen durchklingen. Der Tod Mariä vom Flügelaltar der
wälschen Kapelle in Kuttenberg ist schwächer als dieselbe Darstellung einer der GojauerKirche
gehörigen Altarschnitzerei, die in den Köpfen Maria's und des Johannes ideale Schönheit,
in den Falten nicht die üblichen geknitterten Brüche, sondern langgezogene Linien bietet;
lebendiger als beide Stücke ist die gleiche Darstellung des Holzreliefs der Klominer Kirche.
Da man auf das Vorhandensein kunstvoll gearbeiteter Chorstühle und die Anfer-
tigung derselben durch bewährte Meister offenbar hohen Werth legte, so fand die Holz-
bildnerei auch hier ein reiches Feld zu fruchtbarer Bethätigung. Welche vollendete Leistungen
sie gerade auf diesem Gebiete zustande brachte, zeigen die Chorstühle der Jakobs- und
besonders der Barbarakirche in Kuttenberg, die rücksichtlich des Aufbaues und der
Decoration zu den beachtenswerthesten Schnitzwerken des absterbenden Mittelalters gehören
und die gothischen Formen noch reiner bewahren als die schon unter dem Hereinfluten von
Renaissance-Anschauungen entstandenen zwei Kirchenstühle der Brüxer Stadtkirche. War
die Thür eines gottesdienstlichen Raumes außen nicht mit Eisenbändern beschlagen und der
Raum der dadurch entstehenden Rauten nicht, wie bei der Karlsteiner Katharinenkapelle, der
Wenzelskapelle des Prager Doms oder der Kirche in Kladno, mit Wappen oder Buchstaben
ausgefüllt, so wurde auch die Außenfläche solcher Thüren dem Holzschnitzer, der sie bei der
Jakobskirche zu Prachatitz einfach und geschmackvoll, in Schlan mit dem ganzen Reichthum
spätgothischer Fenster- und Maßwerkbildungen verzierte, in Arbeit gegeben. Nicht minder
konnte derselbe, wie das Orgelgehäuse in Deutschbrod zeigt, bei der Ausführung eines
Orgelbaues seine Kunstfertigkeit bethätigen. Von Triumphkreuzigungsgruppen ist nächst der
ungemein edel durchgebildeten, 1439 ausgestellten in der Prager Teinkirche und der fast
gleichwerthigen in der Goldenkroner Stiftskirche besonders noch die um 1481 entstandene
Kreuzigungsgruppe der Kirche zu Luditz beachtenswerth, deren gleichzeitige Ölbergsgruppe
wie jene in Eger und Pilsen unter Anlehnung an fränkische Muster entstanden zu sein scheint.
Weit bedeutender als die Stellung, welche die Werke gothischer Plastik in Böhmen
in einer allgemeinen Geschichte der Plastik einnehmen, ist die der Wand-, Tafel- und Buch-
malerei. 1244 wurde der Domkreuzgang, 1252 die Michaelskapelle und 1253 der Chor des
Prager Doms mit Malereien geschmückt, und die bei der Restauration der Kirche in Key
und in der Bndweiser Dominicanerkirche wieder zu Tage getretenen Überreste von Wand-
gemälden lassen gleich einigen Darstellungen in der Klingenberger Kapelle und den jüngst
bloßgelegten Wandmalereispuren in der Kirche des Prager Agnesklosters darauf schließen,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Volume 15
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (2)
- Volume
- 15
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.07 x 22.35 cm
- Pages
- 708
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch