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die nicht nur kein bedeutendes Werk aufkommen ließ, sondern auch den künstlerischen
Schätzen, welche frühere Generationen ansammelten, das größte Verderben brachte.
Insbesondere bei der Aufhebung der vielen Klöster wurden die Werke der Väter mit
einer Barbarei und Pietätlosigkeit behandelt, welche uns darüber staunen läßt, wie sehr
der Kunstsinn gerade den Kreisen der Intelligenz gänzlich abhanden kommen konnte.
Eines jedoch, was diese Zeit mit sich brachte, die im Jahre 1781 erfolgte Auflösung der
Malerconfraternitäten, von welchen damals ein nur handwerksmäßiger Betrieb der
Kunst engherzig gehütet wurde, ist kaum zu bedauern, um so weniger, als bald darauf
Institutionen entstanden, welche für eine neue, gedeihliche Entfaltung der Kunstthätigkeit
fruchtbare Keime in sich trugen.
Malerei und Elastik der Neuzeit.
Die spärlichen und unbedeutenden Werke der heimischen Prosan-Malerei aus
dem Eude des vorigen Jahrhunderts bezeugen, daß das Kunstbedürfniß des Bürgerstandes
sowie des reichbegüterten Adels in Böhmen damals im Allgemeinen ein äußerst geringes
gewesen ist. Nur für kirchliche Zwecke fanden bis zu der durch Kaiser Josef II. verfügten
Aufhebung der Klöster einige Maler Beschäftigung. Außer Altarbildern haben wir nur
wenige und mittelmäßig gemalte Porträts aus jener Zeit. Diesen völligen Mangel an
Liebe und Verständniß für Malerei und Plastik, welcher damals mit geringen Ausnahme»
alle Stände beherrschte, haben unsere Nachbarn gründlich ansgenützt, indem sie nicht nur
durch ihre Agenten in Böhmen einzelne hervorragende alte Kunstwerke erwarben, sondern
ganze, in älterer Zeit angelegte vorzügliche Kunstsammlungen vornehmer Familien
ankauften und damit die aufblühenden Kunstsammlungen ihrer Heimat bereicherten.
Die von Kaiser Leopold I. im Jahre 1692 gegründete Akademie der bildenden
Künste in Wien war die Anstalt, an welcher zahlreiche junge Männer aus Böhmen ihre
künstlerische Ausbildung suchten und fanden. Zu den tüchtigsten gehörten die Brüder
Josef Hickel und Anton Hickel aus Böhmisch-Leipa, von welchen der erste, von der
Kaiserin Maria Theresia als Hof-Pensionär zur weiteren Ausbildung nach Italien
geschickt, 1769 Mitglied der Akademie zu Florenz und 1771 k. k. Hof- und Kammermaler
wurde nnd eine große Anzahl von Porträts hervorragender Persönlichkeiten malte, Anton
hingegen nach größeren Reisen sich längere Zeit in Paris aushielt, wo er, vou der Königin
Maria Antoinette protegirt, zahlreiche Porträts malte, bis er, durch die Revolution
vertrieben, sich nach London wandte und daselbst unter andern 1793 das 96 Porträts
umfassende Gemälde der Mitglieder des englischen Unterhanses mit den Hauptfiguren
Pitt und Fox malte.
Böhmen. 25
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Volume 15
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (2)
- Volume
- 15
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.07 x 22.35 cm
- Pages
- 708
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch