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Die Landschaftsmalerei war während der ersten vier Decennien unseres
Jahrhunderts, der mit dem Tode Kadliks abschließenden Periode, arg vernachlässigt.
Wohl wirkte neben Josef Bergler während der ersten sechszehn Jahre Karl Postl
an der Prager Kunstschule als Lehrer für das Landschaftsfach, doch hatte er außer
Autou Manes keinen Schüler, der in weiteren Kreisen bekannt geworden wäre, und
nach Postls Tode blieb diese Stelle neunzehn Jahre lang ganz unbesetzt. Erst 1835
wurde die Laudschaftsfchule abermals errichtet und unter Auton Manes ' (geboren 1784
zu Prag, gestorben daselbst 1843) Leitung gestellt. Nach dem Beispiel seines Lehrers
hielt sich Manes ängstlich an seine älteren Vorbilder, componirte italienische ideale
Landschaften, ohne jemals in Italien gewesen zu sei». Er behandelte die Landschaft
in der herkömmlichen Manier, obwohl er beim Stndinm der heimischen Natnr
ganz unbefangen seiner eigenen Anschauung folgte, die er aber unter dem Druck des
damals uoch herrscheudeu Geschmacks bei seinen Gemälden nicht zur Auweudnng zu
bringen wagte.
Vorübergehend bestand an der Akademie auch eine Kupferstecherschule; auf
Verlangen des Allerhöchsten Hofes gab die Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde dem
„k. k. Pensionär und a^uatinta Kupferstecher" Anton Herzinger (geboren zu Fallbach
in Oberösterreich 1763, gestorben 1826) im Jahre 1800 eine Wohnung im Clemeutinum
und gewährte ihm den Gebrauch einer durch sie augeschafften Kupferdruckerpresse.
Herzinger behielt seine Stelle nur bis zum Jahre 1806. Seine Schüler waren Josef
Drda (178l, gestorben 1833), der den Drnck der zahlreichen Radirungen Berglers
besorgte, dann Anton Pncherna, Lehrer des Radirers Grafen Lnigi Bugnoy, eines
frischeren Talentes, und Georg Döbler, welcher namentlich viele Compositionen Führichs
in Kupfer gestochen hat und später als Leiter der Knpferstecherschule einige gute Schüler
heranbildete, unter Andern Konrad Wies n er aus Hohenelbe, welcher 1847 in der
Blüte seiner Jahre in Rom starb.
Der rührige Kunstverlag von Peter Bohmann hat das Verdienst, einige der
strebsamste» und selbständiger auftretenden jüngeren Künstler — mit Josef Führich an
der Spitze — durch die Vervielfältigung ihrer Arbeiten in den weitesten Kreisen bekannt
gemacht zu haben, wodurch sie in nähere Beziehungen zu dem großen Pnbliknm traten.
Dabei war Anton Machek, selbst ein vorzüglicher Porträtmaler, als Eigenthümer einer
lithographischen Anstalt den Künstlern und dem Verleger behilflich. Anton Machek
(geboren 1774, gestorbeu 1844), ein Schüler Ludwig Kohls, erlernte in Wien von dem
Maler Knnike das Lithographiren und war auch der erste, welcher die Lithographie
iu Prag, dem Geburtsorte ihres Erfinders Alois Senefelder (geboren 1771,
gestorben 1834), einführte und künstlerisch zu verwerthen wußte.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Volume 15
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (2)
- Volume
- 15
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.07 x 22.35 cm
- Pages
- 708
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch