Page - 428 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (2), Volume 15
Image of the Page - 428 -
Text of the Page - 428 -
42«
von Wien aus auch der kürzlich verstorbene Anton Wagner (beim böhmischeu Nativnal-
theater nnd beim neuen böhmischen Museum) betheiligte».
Der bedeutendste der jetzt in Prag lebenden Bildhauer ist Josef V. Myslbek,
ein Schüler Trenkwalds und gleichzeitig des Bildhauers Thomas Seidau in Prag, dann
während einiger Jahre bei Wenzel Levy, als dieser einige Arbeiten in Wien ausführte.
Von seinen vielen Arbeiten haben seine „Ergebenheit" sür das Parlamentsgebäude in
Wien, dann der heilige Josef mit dem Christuskinde für die Josef Daubek'sche Familien-
gruft nächst Liteu, ein gekreuzigter Heiland (in Erzguß) für die Gruftkapelle des Freiherrn
von Ringhoffer in Kamenitz nnd das Modell für ein Reiterstandbild des heiligen Wenzel,
welches anf dem oberen Theil des Weuzelsplatzes vor dem böhmischen Natioual-Museum
aufgestellt werden soll, ihm anf den internationalen Kunstausstelluugeu iu Wien, Müncheu,
Verlin und Paris viele Freunde unter den Kuustgeuossen verschafft und mehrfache
ehrende Auszeichnungen erworben. Auch hat Myslbek einige treffliche Porträtbüsten
ausgeführt. Seine jüngste Arbeit ist das große Modell zu einem Denkmal für den ver-
storbenen PragerFürst-Erzbischos Cardinal Fürst Schwarzenberg, welches diesem in einer
Seitenkapelle des St. Veitsdoms von seinem Nachfolger Cardinal Graf Schönborn
errichtet wird. Josef Myslbek, dem berufensten, war es vorbehalten, die Leitung der
ersten Prager Bildhauerschule an der 1885 neu eröffneten k. k. Kunstgewerbeschule als
Professor und seit Februar 1893 als Direktor der ganzen Anstalt zu übernehmen.
Über achtzig Jahre lang war die Geschichte der Malerei und Plastik in Böhmen
beinahe identisch mit jener der Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde, so lange diese
die von ihr gegründeten Kuustiustitute nicht nur verwaltete, sondern auch fast ausschließlich
aus eigenen Mitteln erhielt. Erst in der neueren Zeit trat darin ein Wandel ein, indem
sich au der Förderung der bildenden Künste in Böhmen auch noch andere neue Elemente
und mächtige Factoreu betheiligten.
Vor Allem ist es die Böhmische Sparcasse, welche seit dem Jahre 1870 jährlich
einen hohen Beitrag zu den Verwaltuugskosteu der Gesellschaft patriotischer Kuustsreuude
spendet und ans Anlaß ihres fünfzigjährigen Bestehens (1872) den Beschluß faßte, ein
der Tonkunst, den bildenden Künsten und dem Kniistgewerbe gewidmetes monumentales
Gebäude zu erbauen. Das zu Ehren weilaud des durchlauchtigsten Herrn Kronprinzen
Erzherzogs R u d o l f „Küustlerhaus Rudolphiuum" benannte weitläufige
Gebäude, welches mit einem Aufwand von nahezu zwei Millionen Gnlden erbaut wurde,
enthält nebst dem großen Concert-Saal uud den nothwendigen Schnlloealitäten für
das Conservatorinm uud den Räumen für das von der Prager Handels- und Gewerbe-
kammer gegrüildete „Kunstgewerbe-Museum" ausgedehnte nnd zweckentsprechende Räume,
nieist mit Oberlicht, welche im August 1884 der Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (2), Volume 15
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Böhmen (2)
- Volume
- 15
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 16.07 x 22.35 cm
- Pages
- 708
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch