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C§äk, ein Nachkomme des Feldherr» Szaboles, soll im Bertesgebirge eine Beste erbaut
haben, doch wurde diese schon uach Stefan dem Heiligen geschleift. Unter König Geza II.
ließen sich zwei deutsche Gäste, Wolfer uud Hedrik, im Lande nieder. Wahrscheinlich
sorgten sie nach westlicher Sitte für ihre Sicherheit uud errichteten für sich irgendwelche
Schutzbauten; Wolfer, der Ahnherr der Grafen von Güffing (Nemet-Ujvar) auf seiner
Besitzung im Eifenbnrger Comitat, uud zwar dem Berge Kissin (Güssing), Hedrik aber,
der Ahnherr der Familie Hidervari, im Raaber Comitat an der Stelle des heutigen
Hedervar. Außer diesen gab es noch im Ödenbnrger und vielleicht auch im Zalaer Comitat
eiue steinerne Beste.
Die Furcht vor einer Wiederkehr der Tataren und die Erfahrung, daß diese selbst
leicht befestigte Plätze nicht einzunehmen vermocht hatten, brachten es mit sich, daß nun
die ganze Nation im Bau von Festungen die Sicherheit des Landes suchte. Bela IV.,
sowie seine Nachfolger Stefan V. uud Ladislaus IV. förderten in wirksamer Weise
diese bei den Ungarn bisher ungewohnte Methode der Vertheidigung. In der zweiten
Hälfte des Jahrhunderts ist der größte Theil der königliche» Douatioueu in der einen
oder anderen Hinsicht mit dieser Art des Landesschutzes verknüpft. Böla IV. befahl, daß
zu Stuhlweißenburg und Gran Jedermann in der Festung wohne. Zn solchem Zweck
gründete er auch die Festung Ofen. Ebenso verfuhr Ladislaus IV. im Jahre 1283 mit
den Bewohnern Ödenburgs, die sich so vermehrt hatten, daß sie sich außerhalb der Festung
niederzulassen begannen. Auch Naab, Beßprem und Fünfkirchen blieben nicht schutzlos.
Die Gemaliu Belas IV., Königin Maria, gab ein aneiferndes Beispiel, indem sie aus
ihrer Mitgift an der Donau den Grund znr Beste Bisegräd legte. Der König schenkte
unter Anderem eine Insel des Plattensees dem Abt von Martinsberg, damit dieser dort
eine Burg erbaue. So entstand die Burg Szigliget. Derselbe König berief, da die
Magyaren in der Erbauung und Vertheidigung von Bnrgen nicht genug bewandert
waren, als Meister für sie die Hospitaliter nach Ungarn.
So wurde die Bewegung allgemein; die Magyaren wurden sozusagen mit einem
Schlage ein Volk von Festungsbauern, und in der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts
genügten einige Jahrzehnte, nm im ganzen Lande, besonders aber jenseits der Donau die
Städte in befestigte Plätze zu verwandeln. Alle Arten von Festnngen entstanden in immer
größerer Anzahl, doch sind die Namen ihrer Gründer und die genaue Zeit ihrer Gründung
nur selten bekannt. Neuere Forscher haben die Rolle dieser Burgen in den Ereignissen des
Landes und der Familien bis in die geringsten Einzelheiten nachgewiesen, allein die
Geschichte ihrer Erbauung ist in tiefes Dunkel gehüllt. Unsere Geschichtskunde sagt von den
allermeisten blos, daß sie im XIII. Jahrhundert entstanden sind oder in welchem Jahre
sie zum erste» Mal erwähnt werden. Die aus dem vorigen Jahrhundert vorhandenen
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch