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des Kaisers und Königs Franz Joseph I. stattfinden konnte. Die Anlage hat die Form des
lateinischen Kreuzes. Über der Vierung erhebt sich eiue auf Bogeuzwickeln ruheude, durch
Säulen gebildete Trommel und auf dieser die Kuppel. Die Kuppelhöhe beträgt 100, die
Länge des Schiffes 107 Meter. Die Kreuzarme sind durch gerade Wäude abgeschlossen.
Der nach Südwest gerichteten Hauptfa^ade ist in ihrer ganzen Breite ein offener Säulen-
portikus vorgelegt, zu dem eine Freitreppe emporführt. Über den acht gewaltigen korinthischen
Säulen des Portikus erhebt sich ein dreieckiger Giebel. Der architektonische Hauptschmuck
des Inneren besteht in Säulen, die mit grauem Stuckmarmor bekleidet sind. Das große,
gewaltige Bauwerk steht auf einem nordwestlich gegen die Donan vorspringenden Gipfel
des Festungsberges und beherrscht weithin Land und Strom; in der Nähe gesehen
leidet freilich der Eindruck des Äußeren durch die weniger glückliche Gliederung.
Im Inneren sieht mau es der Bildung des Details nur zu sehr an, daß zu jeuer
Zeit das architektonische Gefühl schon sehr mangelhaft war und kein den großen
Verhältnissen des Aufbaues entsprechendes Detail zu bilde» wußte. Die Leere wird noch
gesteigert durch die matten grauen Farben, und was die Banformen versäumt haben,
das vermögen die Einrichtuugsgegenstäude, Altäre, Kanzel, Chorstühle nnd etliche
Statuen, nicht nachzuholen.
Als schwächliche Nachahmung des römische» Pautheous wurde 1820 die St. Anna-
kirche zu Gran erbaut.
Ein Denkmal des classicistischeu Geschmacks ist auch die Fa^ade der Kirche zu
Mart insberg nebst dem Thurm, der sich in ihrer Mitte erhebt; sie wurde 1831
durch Johann Packh erbaut. Durch vornehme Einfachheit und schöne Verhältnisse zeichnet
sich die Bibliothek zu Martinsberg aus. Sie zeigt eine l'-förmige Anlage; ihr stock-
hohes Juuere hat eine ans schlanken Säulen umlaufende Gallerie. Der eiue Flügel
wurde durch deu Wiener Architekten Josef Engel 1824, der andere dnrch Johann Packh
1832 erbaut.
In den letzten Decennien des Jahrhunderts trat auch jenseits der Donau die Kuust
des Mittelalters bei dem Kirchenbau in ihre Rechte, was sich in der künstlerischen Wieder-
herstellung der baufälligen Kirchen beknndete. In dieser Art sind zwei bedeutende
Leistungen hervorzuheben: die Klosterkirche zu Martiusberg uud die Kathedrale von
Füuskirchen. Wir kennen die wechselvolle Geschichte beider und ihren Zustand vor der
Erneuerung.
Das Innere der Martinsberger Kirche wurde durch Franz Storno, den Restaurator
der Ödeuburger St. Jakobskapelle und St. Michaelskirche, von 1868 bis 1875 wieder-
hergestellt. Zur Grundlage nahm er den im Jahre 1225 geweihten Bau der Übergangs-
zeit, dessen noch vorhandene Theile er nach Möglichkeit beibehielt, während er die fehlenden
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch