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Aussicht auf den Plattensee öffnet. Durch den mittleren Bakony führe« in westlicher
Richtung zwei Straßen, längs deren die landschaftlichen, geschichtlichen und landwirth-
schaftlichen Merkwürdigkeiten desselben zu finden sind. Die eine führt von Beßprem auf
Varoslöd und zieht gleich oberhalb Beßprems am Fuße des Csatär-Berges vorbei, auf
dessen Gipfel — der Sage nach — Stephan der Heilige im Jahre 998 mit Hunts und
Päzmäns Beistand den durch den Feldhanptmänn Koppäuy angestifteten Heidenaufstand
niederschlug. An dieser Straße findet man bei Bänd die Burgruine Essegh, wo einst das
berühmte Geschlecht der Esseghväry saß. Es ist urkundlich bezeugt, daß die Burg schon
im XIV. Jahrhundert bestand. Die Obergespane von Bakony hatten hier häufig ihren Sitz.
Der Name des Geschlechtes wird nur durch die poetischen Sagen Alexander Kisfaludys
lebendig erhalten. Nach mannigfachem Besitzwcchsel wurde die Burg im vorigen Jahr-
hundert Eigenthum der Familie Szentgyörgyi-Horvath, gehört aber jetzt den gewesenen
Hörigen. Es sind von ihr nur noch Theile der Grundmauern und die etliche Klafter hohen
Trümmer eines starken Thurmes erhalten.
Ganz in der Nähe liegt das volkreiche Dorf Herend und in dessen Mitte die
berühmte Herender Porzellanfabrik, die zu Lebzeiten ihres Begründers Fischer selbst mit
den schönsten und kostbarsten Porzellanen Europas zu wetteifern vermochte. Später ging
sie an den Staat über und von diesem nenestens durch Kauf an eine Aktiengesellschaft,
deren Streben es ist, den früheren Ruf der Fabrik wieder herzustellen.
Bei Herend befinden wir uns schon in der Gemarkung von Szentgäl, die im Herzen
des Bakony etwa 40.000 ungarische Joch umfaßt und Eigenthum des adeligen Com-
pofsefsorates von Szentgäl ist. Diese Niederlassung wurde unter den Ärpäden zu dem
Zwecke gegründet, um die für den königlichen Hof erforderlichen Schweineheerden zu
züchten und dem königlichen Hofe in Stuhlweißenburg von hier aus das Schweinefleisch
zu liefern. Die Bewohner der Ortschaft Szentgäl erhielten daher als „Schweinehirten
des königlichen Hofes" dieses große Gebiet zu Mastzwecken. Später aber fiel ihnen auch
die Aufgabe zu, den königlichen Hof mit Wildpret zu versorgen, weshalb sie unter
Andreas II. den Titel von „königlichen Jägern" (venawres re^ii) erhielten; als solche
genossen sie locale Privilegien und waren weder zu Burgdienst, noch zu sonstigen Gemein-
diensten verpflichtet, ja sie durften nicht einmal Zoll und Mauth entrichten. So lebten
die Leute von Szentgäl in ihren Urwäldern und wühlten in Üppigkeit bis auf die jüngste
Zeit und ließen sich's angelegen sein, seit Andreas II. von jedem König ihre Privilegien-
briefe neu bekräftigt zu erhalten. Seit Beginn unseres Jahrhunderts war ihre Jäger-
pflicht wohl nur mehr eine symbolische, ihre Verpflichtung, Schweinefleisch zu liefern,
hatte schon in unvordenklicher Zeit praktisch aufgehört. Aber die Wildpretlieferung an
den königlichen Hof setzten sie noch bis 1848 fort, in welchem Jahre dieselbe zum letzten
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch