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jetzt mangelhaft. Dieselbe Straße führte, nachdem sie das Anfangsstück des Sär-Kanals
überschritten, zu einem dreifachen Dorfe. Drei Dörfer sind nämlich dicht aneinander
gebaut:Peremarto n, Kis-Koväcsi und B e r h i d a:das erste Eigenthum des Veßpremer
Domkapitels, das zweite der Grafen Nädasdy, das dritte der Familien Felsöbüki-Nagy,
Kesmärky, Bezeredy, Karacson, Rosos und anderer.
Berhida hieß einst Bereny hidja (Berenys-Brücke) und später Berenhida. Der
Name rührt wahrscheinlich daher, daß die einst überaus mächtige Familie Bereny das
breite Sumpfgelände des Sed-Flüßchens hier überbrückt hat. Nach diesem Dorfe war auf
den 12. März 1532 ein Partial-Reichstag einberufen, auf dem die Stände von jenseits
der Donau in großer Anzahl zusammenströmten; auch ein Schreiben Papst Clemens' VII.
traf daselbst ein und König Johann ließ sich durch Thomas Nädasdy als Commissär
vertreten. Auch eine Schlacht hat bei dem Dorfe stattgefunden. Die Besatzung der durch
die Türken eroberten Festung Stuhlweißenburg hatte nämlich einen bösen, gransamen
Pascha persischen Ursprungs, namens Veligian, der die Gegend furchtbar verheerte und
bei dem Volke nur der rothe Pascha hieß. Gegen ihn verbündeten sich im Jahre 1549 die
Commandanten mehrerer Festungen, Emerich Telekessy von Veßprem, Paul Rätkay von
Papa, Ladislaus Gyulassy von Raab, Gregor Petri von Totis, dann Johann Kälosy und
andere Tapfere. Diese forderten den Pascha zum Kampf und schlugen ihn im hügeligen
Gelände von Berhida schmählich aufs Haupt; der beste Theil seines Heeres blieb auf der
Wahlstatt, viele Gefangene, 13 Fahnen und werthvolle Beute fielen in die Hände der Sieger.
Hier fließt der Veßpremer Sed-Bach vorbei; sein regulirtes Wasser treibt einträgliche
Mühlen und seine Ufer prangen mit werthvollen Wiesen.
Es folgen dann die adeligen Dörfer Küng ös, Csajägh, Balatonfö-Kajär und
Lepfeny, eine bedeutendere Station der Südbahn. Lepseny gehörte einst der im
XVII. Jahrhundert hoch gestiegenen Familie Sändor und ist jetzt Eigenthum des Grafen
Nädasdy. Das Nachbardorf heißt Mezö-Szent-György. Hier entwaffnete am
27. September 1848 ein Offieier der Nationalgarde, Ludwig Eötvös, mit großer
Kühnheit ein Detachement des Banns Jellacic, das den Generalen Roth und Philippovic
die Weisung überbringen sollte, sich ihm in Stuhlweißenburg anzuschließen; wäre dies
gelungen, so wäre auch die Schlacht bei Päkozd jedenfalls anders ausgefallen. In der
Nachbarschaft dieses Dorfes liegt DSgh, wo ein Zweig der gräflichen Familie Festetits
eine Fideieommißherrschast von 20.000 Joch und ein prächtiges Schloß besitzt.
Bis hieher reicht das südliche Tiefland des Comitats. Das andere Tiefland erstreckt
sich von dem nordwestlichen und westlichen Fuße des nördlichen Bakony gegen Papa hin
bis an die Flüsse Marezal und Raab, wo es mit der Preßburger Tiefebene verschmilzt.
Hier liegt Marczaltö an der Mündung des Marezal in die Raab. Es war einst
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch