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sind grau oder braun, schillernd, glashart und geben auf den Schlag einen dumpfen
Porzellanklang von sich. Es ist dies einer der dichtesten Basalte. Die riesige Bergspalte
an der Nordseite des Somlyö ist in kleinerem Maßstabe auch hier, an der Ostseite,
vorhanden. Diese Spalte, durch die einst eine sogar fahrbare Straße zum Plateau hinan-
führte, heißt „Eisernes Thor". Das Plateau bildet eine etwas unebene Fläche von ungefähr
100 Joch. Sie ist zum Theil mit undurchdringlichem Gestrüpp, mit Sträuchern von
Schlehdorn, wilden Pflaumen, duftigen Weichselkirschen und wilden Rosen bewachsen. Ihr
westlicher Theil ist glatte Weide, am südlichen Rande steht ein von dem Veßpremer Bischof
Ranolder errichtetes riesiges Steinkreuz. In der Mitte des Plateaus befindet sich der
Krater, durch den einst feurige Ausbrüche erfolgt find; die kreisförmige Rauderhöhung
und die Vertiefung desselben sind deutlich zu erkennen, der Boden und die Böschungen
mit Lavagestein bedeckt, das nach Form, Gewicht, Porosität und chemischer Beschaffenheit
von dem pompejanischen kaum zu unterscheiden ist. Das 438 Meter hohe Plateau bietet
die herrlichste Aussicht. Im Osten schwärmt der Blick über den Plattensee hin und über
Tihany weg bis iu die Ebenen der Comitate Beßprem und Weißenburg hinein. Im
Süden überschaut man ganz Somogy bis zu den Szegzärder Hügeln im Tolnaer und bis
zum Meesekberg im Baranyaer Comitat. Im Südwesten schließe« die slavonische» und
kroatischen Berge den Horizont. Westlich hat man Szigliget zu Füßen und dahinter steht
ein gauzes Amphitheater von Kuppen, der Särkänyerdö (Drachenwald), Nezi und Tätika,
sämmtlich mit Burgruinen gekrönt. Gegen Norden erblickt man die prächtigen Gipfel des
St. Georgsberges, des Gnläes und Halap. Hinter diesen tauchen in weiter Feme der
Somlyö und der Sag auf, jener Pnnkt von Kemenesalja, welchen Berzfenyi in einem seiner
schönsten Gedichte besang, als er für immer von Kemenesalja Abschied nahm. Im Nord-
osten ist der Horizont an einer Stelle durch den Dabaswald eingeengt, über und neben
dem jedoch im Hintergrunde das Waldgebirge des Bakony seine dunkle Kette zieht. Die
Thürme vou fünfzig Dörfern blicken aus diesen Thälern und von diesen Hängen herauf
uud an stillen Herbstabenden hört man in Badacsony das Geläute von fünfzig Abendglocken.
Szigliget liegt an der Westseite des Badaesouy, von dem es durch das Thal des
Eger-Baches getrennt ist. Einst bildeten die Buchten des Plattensee's mit den aus-
gebreiteten Gewässern der Bäche Leseucze, Tapolcza und Eger eine Wasserfläche und aus
dieser ragte eine Insel hervor: der kleine dreiköpfige Gebirgsstock, welcher auf einem seiner
höheren Gipfel ein kleines Dorf nnd in dessen Mitte das altersbraune Gemäuer der Burg
Szigliget trägt, ein herrliches Detail unter deu Reizeu dieser Gegend. Die Burg wurde
uach dem Tatareueiusall durch deu Abt Favus erbaut. Im XV. Jahrhundert ist sie im
Besitze der mächtigen Ujlaky und vou 1490 ab in dem der Familie Lengyel, die in den
Eomitaten Zala und Somogy 222 Dörfer und Puszteu besaß. Die Reichstage tragen von
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch