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Nördlich von Hahot, etwa zwölf Kilometer weiter, liegt in dem nämlichen Thale
Pölöske. In der Türkenzeit war die dortige Beste ein wichtiger Grenzplatz; sie verfiel
zu Anfang des vorigen Jahrhunderts und ihr Andenken lebt jetzt nur noch im Namen
ihrer Puszta Värhely (Burgstätte).
Rajk liegt gleichfalls im Hahöter Thale östlich von Hahot am jenseitigen Abhang
des Thales längs der Eisenbahn. Es besteht aus zwei Dörfern, die jetzt Felsö- und Alsö-
Rajk heißen. Hier stiftete ein Ahnherr, Michael, der Familie Bänffy von Lendva im Jahre
1255 zu Ehren der heiligen Jungfrau die Rajker Propstei der Prämoustrateuser. Diese
Propstei war jedoch zur Zeit der Mohäcser Schlacht schon völlig verschwunden. Die Burg
von Felsö-Rajk stand zwischen Sümpfen und war Grenzplatz; über ihren Standort geht
jetzt die Eisenbahn.
Szemenye, an der Einmündung des Kerka-Baches in die Mur, war gleichfalls
Grenzfestung. Jetzt bildet es zwei nahe zusammengebaute Dörfer, Felsö- und Alsö-
Szemenye.
Alsö-Lendva liegt im Murthal, einer hydrographisch hochinteressanten Gegend.
In dem Dreieck, das sich bei dem Zusammenfluß der Kerka und Lendva gebildet hat,
befindet sich ein welliges Gebirge von 70 Quadratkilometer Flächeninhalt, in dessen
Schluchten fünf kleine Dörfer nisten; es erhebt sich etwa 500 Fuß über die Thäler der
Kerka und Lendva und ist reich an herrlichen Kastanienwäldern und Obstgärten. An seinem
westlichen Fuße liegt Also-Lendva, einst in einem Gewirr von hundertfach zerfaserten Wasser-
läufen und ewig überschwemmten Sümpfen verloren, jetzt an den Ufern von fünf Kanälen,
die all dieses Gewässer ableiten, sicher hingelagert. Von seiner einstigen Burg hat man die
herrlichste Aussicht gegen Nord, West und Süd. Wie ehedem, so bildet es auch jetzt mit
Lenti vereinigt das Haupt einer ungeheuren Domäne, welcher 82 Dörfer und Flecken mit
120.000 ungarischen Joch angehören. Seit nahezu 200 Jahren ist dies ein Besitz der
Fürsten Esterhäzy, der bald nach dem Tode des letzten Bänffy von Lendva durch den
Palatin Fürsten Paul erworben wurde.
Nordwestlich von Alsö-Lendva in einer Entfernung von zehn Kilometer liegt am
Kerka-Ufer die Ortschaft Lenti, in alten Urkunden auch Nemty und Nempthy genannt.
Nach dem Falle Kanizsas war dieser Platz der Schutz Steiermarks und Österreichs gegen die
durch das Mnr- und Kerkathal einbrechenden Türken. Aus diesem Grunde lenkt der Reichs-
tag schon 1613 die Aufmerksamkeit des Königs auf die Nothwendigkeit, Nemti und
Egervär zu nehmen und mächtig zu befestigen, sowie überdies auch Keszthely, Szigliget,
Csobäncz, Zalavär und Pölöske vertheidigungsfähig zu machen. Der König verfügte sonach,
mit Einwilligung der Reichstage vou 1625 und 1630, daß Nemti durch eine steirische
Besatzung auf Kosten Steiermarks vertheidigt werde.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch