Page - 275 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Volume 16
Image of the Page - 275 -
Text of the Page - 275 -
275
hinübergreifenden Rippen durchziehen mit ihren waldigen Hügeln unter dein Namen
Zselicz den Szigetvärer Bezirk; in ihren Thälern stehen hundertjährige Bäume, aus
deren Dickicht die Thürme kleiner Dörfer und stattlicher Schlösser aufblinken, während auf
den Kuppen vergilbte Klosterruinen wackeln. Ein anderer Zweig streicht von Mägocs
gegen Lengyel und springt in das Tvluaer Comitat über, bis Simontornya hinauf immer
vereint mit dem aus Somogy auswandernden Kaposfluß; unterwegs entsendet er, von
Regöly gegen Török-Koppäuy, eiuen fast unmerklichen Seitenzweig, durch den er auch
noch die Karäder Gruppe am Plattensee, in der Ecke des Dreiecks, zu dem Bergsystem des
Meesek heranzieht. Ein dritter Zweig verläuft in nordöstlicher Richtung, gleichfalls nach
Tolua hinein, und trägt anf seinem Grat eine der schönsten Gebirgsstraßen Ungarns;
linksab läßt er die fruchtbare Thalgegend von Tolna mit ihren vorgeschichtlichen Gräbern
liegen, während er seine laubenbekränzte Stirne nördlich gegen die Donau hin bis Szegzärd
vorstreckt. Dort kann er nicht weiter, da der dem Särviz zueilende Hidasbach ihm den
Weg verlegt. Aber auch südwärts zweigen sich noch zwei schön gezogene Bergreihen ab:
die Siklöfer und die Batiuaer Berge. Sie sind zwei anmuthige Söhne des Meesek; der
zweite wäscht seine Füße schon in der Donau, wie ein wegmüder Wanderer. In der That hat
er eine starke Strecke zurückgelegt, von den südlichen Alpen bis hierher. An der südwest-
lichen Ecke von Somogy endlich, am Eintritts der Dran, erhebt sich noch ein Zweig der
Zalaer Berge, nur um sich gleich wieder zu verflachen. Seine niederen Hügel spenden eiuen
Reichthum seltener und werthvoller Obstgattungen; an ihrem Fuße liegt das weinfrohe
Zäkauy, das kastanienreiche Jharos-Bereny und das hübsche kleine Musennest Esnrgö.
So ist etwa die Hälfte des ganzen Dreiecks von Bergen bedeckt, die einen Überfluß
an Wem, Obst, Wald, Steingattungen und mannigfaltigen Landschaftsbildern aufweisen.
Noch reicher ist die Ebene, die größere Hälfte des Gebiets. Die Niederungen längs
der Douau und Drau liegen in Tolna und Baranya; doch nennen wir Ebene auch das
Somogyer Flachland, wiewohl es vielmehr eine Hochebene von welliger Gestaltung bildet,
die, an ihren drei Ecken durch die Berggruppen begrenzt, ihren hie und da sandigen, zumeist
aber rein schwarzen Lehmboden vom Plattensee bis zur Drau erstreckt.
Ju dem ganzeu Gebiete fiudet sich, die Felsgrate der Gebirge ausgenommen, fast
kein nnbenützbarer Boden; ungebundener Sand und Flugsand ist selten, sodahaltiger
Boden fehlt überhaupt. Es ist guter Nährboden; dies erklärt die Dichtheit der Bevölkerung,
die in diesem Landstrich auch jetzt eine bedeutende ist, in früheren Zeiten aber, als innere
Kämpfe sie noch nicht beunruhigten und zugleich die geschützte Lage Jahrhunderte lang
jeden Angriff von außen abhielt, noch erfreulicher war. Zu Ende des XV. Jahrhunderts
war dieses Gebiet mit seinen 36.000 Hausstellen („Rauch", „Porta"), von denen 15.000,
also fast die Hälfte, auf Baranya fielen, die bestbevölkerte Gegend des Landes.
18*
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch