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setzte aus dem Stegreif eine neue Völkerwanderung nach dem Prinzip des Doroger
Richters in Scene, und noch heute liegen die Dinge, wie er sie damals zurechtgelegt. An
den Hügelrändern über dem Siö liegt die reiche magyarische Gemeinde Szent-Lörincz,
wo eine Zeit lang das später nach Bonyhäd verlegte Gymnasium blühte, weiter unten in
der Thalgegend des schlachtberühmten Csonthegy findet man Kölesd mit seiner dem
Särköz-Volke verwandten, aber schmucker und geschmackvoller gekleideten Bevölkerung.
Hier wurde Johann Corvin durch Stefau Bäthori und Kinizsi eingeholt, die in siegreicher
Schlacht sein Heer nebst seinen Aussichten vernichteten und sich in die ungeheure Beute
seiner Schätze theilten.
Am Fuße des Csonthegy (Knochenberg) wurde aber später noch eine andere Schlacht
geschlagen, und zwar bei Kajdacs, wo Johann Szerecsen den vor Snleimans Macht nach
Säros-Patak abziehenden Peter Perenyi überfiel und mit vielen Schätzen, nebst der bei
ihm verwahrten Krone und den Kroninsignien, gefangennahm. Hier liegen die ausgedehnten
Güter der gräflichen Familie Apponyi: Pä l fa , Högyeß, Lengyel; hier die nicht gerade
volkreichen, aber von der Umgegend her stark besuchten kleinen Marktflecken Mißla,
Gyönk uud Tevel. Nagy-Szökely ist eine blühende Gemeinde von reformirten Deutschen,
deren Vorfahren zu Anfang des vorigen Jahrhunderts aus Hessen-Kassel unter Führung
ihres Predigers Wilhelm Keck eingewandert sind, an dessen Gedächtniß sie so treu fest-
halten, daß sie seit mehr als anderthalb Jahrhunderten ihre Geistlichen aus seiner Familie
wählen. Hier liegt Zomba mit seinen vielen Schlössern uud, in der Tiefe des Tolnaer
Comitats, Bonyhäd, die Perle der Tolnaer Thallandschaft. Bonyhäd ist weit uud breit
das hübscheste, reinlichste Städtchen, Stammsitz der Familie Perezel; es liegt an der
Bättaßeker-Eisenbahn, die nun schon bis Dombövär überall dem Fuße der Barauyaer
Berge entlang zieht, durch Begräbuißstätteu vou UrVölkern, die im Grafen Alexander
Apponyi und dem Szegzärder Abt Dr. Moriz Wosinßky scharfsinnige und erfolgreiche
Erforscher gefunden haben. Unterhalb Bonyhads, ganz im Süden, liegt Vära l ja in
anmuthigem Thale, von einer burgartigen Felszacke geschützt; seine magyarische
Bevölkerung hat sich die eigene Mnndart und Tracht treuer bewahrt als ihre Brüder
im Särközlaude, von denen sie längst losgerissen hier eine Sprachinsel bildet.
Indeß, die Betrachtung der Gegenwart weckt auch den Wunsch, die Vergangenheit
zu ergründen, wenigstens deren Spuren zu suchen, als welche uamentlich die Burgen
gelten können. Und wir kennen blos Spuren; an historischen Denkmälern ist aus den
Trümmern, welche die eingestürzten Wälle der Burgen im Kaposthale, sowie die von
Ozora, Dombövär und einigen Forts der Abtei hinterlassen haben, noch wenig ans
Licht gefordert. Vom alten Simoutornya stehen noch Donjon nnd Palas, stumme Zeugen
der Hofhaltung des Palatins Ladislaus Garay uud seiner Gemalin, der Herzogin
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch