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stehen auf und reden. Sie berichten uns, daß der Erdmensch das Urgefetz der gesellschaft-
lichen Existenz auch auf seine Todten anwendete. Sie scharrten einander nicht dort ein,
wo sie sich todt antrafen, sondern schassten die Leichen aus den gemeinsamen Begräbnißort;
selbst todt wünschten sie gesellige Wesen zu bleiben. Die Gräber erzählen, daß jener
Erdmensch, wenn er auch in der Erde hauste, Jemanden hatte, zu dem sein unförmliches
Antlitz aufblickte und zu dem er seine auf armförmiger Thonsäule ruhende Opferschüssel
erhob, daß jener Erdmensch, so unwissend er auch sonst war, sich selbst achtete, sich in
menschlicher Würde über andere mit Bewegung begabte Wesen erhoben fühlte und seine
Todten, soweit er konnte, mit Aufwand bestattete, als Personen, die auch im Tode noch
Rechte, Forderungen . . . und eine Zukunft haben. Wer weiß, ob nicht in seinem Herzen
mit dem Schmerz zugleich auch eine die Unsterblichkeit fordernde Ahnung aufzuckte, ob
nicht diese ihm eingab, seine Todten mit dem Antlitz gegen Osten, in kauernder Lage
und die Hand unter den Kopf gebogen hinzulegen, als wären sie gar nicht gestorben,
sondern schliefen nur und harrten des Aufgangs der Sonne? War es nicht dies, was
ihn bewog, die Opferschüssel neben sie hinzulegen und die steinerne Axt und den thönernen
Streitkolben, als sollten sie nicht dort liegen bleiben, sondern weiterziehen? Diese
Gebräuche, diese sanft auf den Handrücken ruhenden Köpfe scheinen uns zu sagen, daß
der Mensch schon damals nicht an den Tod glaubte, daß der Glaube an die Unsterblichkeit
ein Urschatz der Menschheit ist, von Anfang her in ihrer Brust gebettet, bis schließlich
Einer kam, der ihn ins Leben rief und ans Licht brachte.
Das!5>omogyer «Lomitat.
Das Somogyer Comitat gehört mit seinem Gebiet von 6.500 Quadratkilometer zu
den größten, mit seiner Bevölkerung von 330.000 Köpfen zu den volkreichsten, mit seinen
300.000 Magyaren zu den magyarischesten, mit der Fruchtbarkeit seines Bodens aber
und seinen trefflich instruirlen Wirthschaften zu den reichsten Comitaten Ungarns.
Es ist aber auch eines der ältesten. Sehr viele seiner Ortsnamen sind schon in den
Urkunden der ersten Ärpäden erwähnt und so mancher Name erinnert an die Heidenzeit
uuter den Herzogen. Schon ehe das laufende Jahrtausend begann und mit ihm der
ungarische Staat geboren wurde, erhob sich Somogy für die Vertheidigung des alten
Glaubens und des alten Stammsystems und widersetzte sich den Plänen König Stesaus
des Heiligen, die einen Staat und eine Kirche schaffen wollten. Der erste Bürgerkrieg
Ungarns nahm von Somogy seinen Ausgang und an seiner Spitze stand und verblutete
Koppäny (Kupa,), Herzog von Somogy.
Und noch andere interessante Züge lassen sich über Somogy vorläufig verzeichnen.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch