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und Szigetvar laufenden Linie bis an die Dran hinab, das innere Somogy erfüllt.
Eichenbestände sind auch die im äußeren Somogy, gegen den Plattensee hin, zerstreuten
Bergwälder von Kaposvär bis zum Siö hinauf und bis über die Grenzen des Tolnaer
Comitats hinaus. Zwischen diesen beiden Gruppen zieht durch das mittlere Somogy
dichtbelaubter Roth- und Weißbuchenwald, der aus dem Barauyaer Comitat herein-
springende Zseliczer Wald, durch die Sandebene von Nagy-Bajom auf eine große
Strecke unterbrochen gegen Meßtegnye hin und macht dort eine Wendung nach Südwesten,
um sich bei Jhäros-Bereuy mit den gleichartigen Zalaer Waldungen zu vereinigen. In
jeder dieser Gruppen kommen Birken, Linden und andere Baumarten reichlich vor.
Jedem Dorf ist hier ein Wald zugefallen, nur Nagy-Bajom hat keinen und auch
das gelobte Land von Somogy nicht, der an den Siö stoßende Zipfel des Comitats, wo
Ädänd, Kiliti und Sägvär liegen. Deu meisten Wald haben die westlichen Theile, wo
das halbe Gebiet bewaldet ist. Die bemerkenswerthesten und zugleich ausgedehntesten
Waldbestände sind hier: die von I h ä r o s - B e r ö n y, dann dievonBerzeneze-Nagyatäd
(der „Kanizsa-Hain"), der sich von Nemes-Ded bis zur Drau in einer Länge von fast
40 und einer Breite von 10 bis 15 Kilometer hinstreckt und Meierhöfe, sowie kleine Dörfer
sammt ihren ganzen Gemarkungen umschließt; endlich weiter oben die Wälder von
Meßtegnye und Marezal . An der Ostseite liegen die dichten Wälder von Laköesa und
Bürüs , über diesen, im Zseliez, die 14.000 Katastraljoch Wald von Harsägy und noch
weiter oben der von Jgal-Koppany. In älterer Zeit verwuchsen diese Walduugen mit
einander, ihre Äste beschatteten die letzten Häuser und Gärten der Dörser; gegenwärtig
sieht man ihr ungeheures Teppichgewebe schon mannigfach zerrissen, zerschnitten, durch-
löchert und den Boden in Ackerland verwandelt, so daß sie nur als Schatten von ehedem
bestehen. Was an ihnen großartig, bewunderungswürdig oder beängstigend gewesen, das
ist in Gestalt von Pflasterwürfeln, Bauholz und Faßdanben nach allen Richtungen
zerstreut worden. Somogy hat durch die unmäßige Waldverwüstung sein früher so
gemüthliches Aussehen ganz eingebüßt. Die Somogyer Leute klageu darüber, während der
Fremde stutzt und fragt: „War es denn noch mehr, als was ich jetzt sehe? Und wenn dies
nur der Schatten des Einstigen ist, wie viel muß das gewesen sein!"
Ohne Zweifel hat sich der früher unbekannte Wachholder an den Platz manches
schönen Waldes gesetzt; auf deu Rodungen sieht man den Boden hie und da rund auf-
gebläht, so daß der Unkundige leicht an „Knmanenhügel" denken kann, und es sind doch
nur ausgelaugte Aschenhügel, denn die einzige Industrie dieser Wälder war die Pottasche-
fabrikation und höchstens noch die Kohlenbrennerei. Doch ist Somogy jetzt, mit ver-
doppelten Kräften bemüht, den Fehler wieder gut zu machen. An Stelle der alten Eichen
wachsen Akazien- und Fichtenpflanznngen heran, die noch erhaltenen Wälder aber prangen
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch