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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Volume 16
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324 die fahrenden und erobernden Völker mächtig anzog, die Kelten, Römer, Gothen, Vandalen und Langobarden, die Avaren, Franken, Magyaren und Türken. Jedes kam mitten ins Fertige hinein, und es that ihm leid oder es vermochte nicht, was es hier fand, durchaus zu zerstören. Selbst die Türken bauten darin, und wo sie den Fuß hinsetzten, da verdorrte das Gras nicht unter ihrem Tritt. Auf den Gipfeln stehen die Ruinen von Klöstern und Bnrgen; von den Häuptern der Gebirge herab fließt in dichten Locken, dem Hanptfchmnck des Ritters gleich, hoch- stämmiger Wald; in ihrem Schooße ruht üppig geschichtet das Feuer der Steinkohle, ihre Brüste quellen von Wein, zu ihren Füßen sprudelt Quell um Quell auf; kaum geboren, enteilt die Quelle muthwillig ihrer schattigen Wiege und findet alsbald Geschwister, Spielgenossen; mit diesen vereint, verbündet, in Umarmung und Streit rauscht sie weiter; zwischen den ineinander geschmiegten Hügeln fließt in seidenweichen Thälern Bach auf Bach der Drau, der Donau zu. Auf den Marmorfelsen sitzen Sagen, in den Gewässern baden Feen, in den Wäldern springt schlankes Wild (und bergen sich finster blickende Wildschützen), auf den reichen Gefilden mäht der Schnitter singend die zwanzigfach gesegnete Ähre. In den Dörfern ist Friede und Feiertag, in den Städten Leben, Kraft nnd reger Verkehr. Von der Bergkuppe herab oder aus der Vogelperspektive gesehen, rnht das Land in strahlendem Sonnenschein. Hie und da schweben zerrissene Wolken aus der Vergangenheit, hellere und dunklere, aber sämmtlich blutroth gerändert, über Fünfkirchen, Szigethvär, Siklös, Mohacs und weiter hinab über Efseg; der Wind weht sie hinunter bis gegen Belgrad und hinauf bis gegen Ofen, hier aber schweben sie alle durch, begegnen sich, prallen zusammen oder setzen sich träge fest. Die Werke der Urnatnr und der Civilisation, Arbeit und Festfeier, ein sonnig in die Zukunft hineinblühendes Leben und die Wolkenflocken aus der Vergangenheit vereinigen sich auf diesem Teppich in wunder- samem Einklang. Bleiben wir auf den Gipfeln, bei der Natur und steigen wir dann hinab ins Thal, in die Ebene, in die Gegenwart, und weuu wir müde fiud, setzen wir uns wieder zur Ruhe auf jene gebräunte» Steine, deren Name Vergangenheit ist. Dieses Gebiet von 5.170 Kilometer Flächeninhalt nährt etwa 320.000 Einwohner, deren treue Arbeit, ja oft selbst die treulose, es daukbar lohnt. Es ist von drei Bergketten umgürtet, die sämmtlich von Ost zu West ziehen; hügelige Ebenen lagern dazwischen. Das ist der Meesek, das Siklös-Vi l länyer und das Baranyaväre r Gebirge. Alle drei haben eine gewisse Ähnlichkeit, wie Kinder einer Mutter. Vom westlichen Ende hebt jedes mit niedrigen Lehmhügeln an, erhöht sich stufenweise in seinem Lauf gegen Osten und endet mit einer schön geformten, die ganze Kette beherrschenden Kuppe, die durch eine Ruine gekrönt wird. Jedes blickt mit seiner südlichen Stirne auf eine weite, fruchtbare
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Volume 16
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Ungarn (4)
Volume
16
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1896
Language
German
License
PD
Size
15.18 x 21.71 cm
Pages
616
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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