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Die ganze Herrschaft hat über 40 Beamte und das Dienstpersonal ist etwa
800 Köpfe stark, die Gehalte steigen von 300 bis 4000 Gulden, desgleichen die
Pensionen. Die ganze Beamtenschaft ist ungarisch; ebenso die Berwaltnngs- und
Dienstsprache und die Sprache in den acht vollkommen ausgestatteten Lehrsälen, die von
der Herrschaft erhalten werden und etwa 500 Schülern sorgfältigen Unterricht gewähren.
Um die beiden Ströme her, welche die Herrschaft umfassen, besonders aber bei
ihrer Vereinigung, bilden sich eine Menge Teiche und Wasserrisse, die von Mohäcs bis
Esseg lohnenden Fischfang ermöglichen. Der Kopäcser Teich liefert auf einen Zug
600 bis 800 Meterceutuer Fische; die Beute geht zumeist nach Budapest, Fünfkirchen
und Esseg, während die billigeren, sogenannten Weißfische getrocknet, Serbien und
Rumänien mit Fastenkost versorgen. Von den 33.000 Joch Waldung liegt der kleinere,
aber werthvollere Theil, Eichen und Buchen, in der Mitte der Domäne. Dazu gehören
der Wildpark von Keskend und das auch geschichtlich denkwürdige Busiglicza, nach
türkischen Schriftstellern „Les-Kirche" (I^es temploma), ein strategischer Punkt während
der Mohäcser Schlacht, denn von hier zog Baly-Beg, der Jajja Pascha, links ab, um zu
Beginn der Schlacht das ungarische Lager zu überrumpeln und zu besetzen. Dort ist auch
der Koch des Königs, der arme Elias Gondos gefallen. Am Saume des Waldes vou
Busiglicza steht nahe der Landstraße ein Jagdhaus, in dessen Hofbezirke 13 geräumige
und tiefe vorgeschichtliche Gruben entdeckt wurden; sieben derselben sind stark mit Ziegeln
und Steinen ausgelegt, die übrigen einfach ausgebrannt. Das Volk nennt sie „Silos",
was an die Worte des Plinius erinnert: ,?annc»nes s^rc>8 appellant,". Der Wald,
größtentheils weiches Holz, lehnt sich an die gewundenen Wasserrisse der Donau und ist
voll Wild, dessen Ruhe nur zuweilen durch den Knall königlicher Gewehre gestört wird.
Es ist der Wildpark von Königen, mit königlichem Wild. Ganz nahe unterhalb Mohäcs,
oben in den Wäldern von Blazsovicza, jagte der deutsche Kaiser und unten am Kopäcser
See neigten sich die Silberpappeln 15 Tage lang dem Prinzen, den wir noch beweinen
und nie vergessen werden.
Die ganze Domäne dient als Muster der Laudwirthschaft. Die Straße, die sie vou
Nord zu Süd durchschneidet, war einst die Straße der Heere; heute ist sie der Weg des
Friedens und Fortschrittes, der Blüte und gesegneten Fruchtbarkeit. Auch in den auf
herrschaftlichem Gebiet liegenden Dörfern und deren Bauernwirthschaften ist der Einfluß
der Musterwirthschaft zu sehen, von der Futterproduktion bis zur Pferde- und Viehzucht
und zum Häuserbau. Überall erheben sich, gruppenweise oder zerstreut, solid gebaute
Bauernhäuser mit Ziegeldächern, Säulengängen und um ein Meter erhöhten Fußböden.
Die blaukeu Gassenfronten haben in Sepse und Kölked, aber auch anderwärts, drei Fenster
mit sauberen grünen Vorhängen; im innern Theil des Hofes steht die stockhohe Scheuer,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch