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mit größtentheils magyarischer und römisch-katholischer Bevölkerung. Der Gegend des
Siklös-Villänyer Gebirges gehören die Bezirke von Siklös und Szentlörincz an, mit
gänzlich magyarischer und überwiegend reformirter Bevölkerung. Endlich liegen auf deu
Ebenen nördlich und südlich des Barauyavär-Kiskößeger Gebirges die Bezirke von Mohäcs
und Darda, größtentheils mit römisch-katholischen Deutschen, aber auch vieleu resormirten
Magyaren und griechisch-nichtuuirteu Serben bevölkert. Diese Bevölkerung betreibt, mit
Ausnahme des städtischen Elements, den Ackerbau, ist also Bauernvolk. Eine Herrenklasse
von wohlhabenderen Besitzenden ist erst jetzt in Bildung begriffen, da die Türkenstürme
während 200 Jahren fast den ganzen mittleren Adel dieses Eomitats hinweggewirbelt
hatten und, nachdem wieder Ruhe geworden, kaum Jemaud lebte, der zurückkehren konnte,
wer aber heimkehrte, sein Besitzthnm nicht mehr erkannte. So kam es, daß noch vor nicht
gar langer Zeit ganz Baranya mit Ausnahme der Kirchen- und Stiftungsgüter, sowie
weniger Besitzungen des mittleren Adels, drei großen Herrschaftsfamilien gehörte: dem
Erzherzog Karl Ludwig und den Häusern Eßterhäzy uud Batthyäny; diese Letzten besaßen
das Meiste. Die Herrschasteu Bellye, Darda, Szentlörincz, Siklös, Üßög, Böly und Sellye
sind lauter 8 bis 15 Meilen große Landgrafschaften aus feudaler Zeit. In den fruchtbaren
Bezirken dieser großen Dominien führten die ohnehin anspruchslosen Leibeigenen kein
schweres Leben, vollends weiter zurück, vor der Türkenzeit, als dieses Land schon ein
Blumengarten war wie heute, aber rings umschlossen von einem Zaune aus Ölzweigen.
Werfen wir noch einen Blick auf die drei Komitate der Mecsekgegeud, so wird
vor unseren Augen Volk und Geschichte, Gegenwart und Vergangenheit der ganzen
Provinz lebendig. Wie überall im Lande, so sind auch hier die fruchtbarste» Gebiete, die
Strom- und Bachläufe, die Ebenen am südlichen Fuße der Gebirge, ausschließlich von den
Ureigenthümern magyarischer Race bewohnt. Sie liebt auch Wald und Weinberge, aber
nur, wenn dicht dabei Weizen wächst. Diese Magyaren sind die Urbewohner des Bodens.
Sie haben sich zwar durch die heute schon gänzlich magyarisirten Nachkommen der im
vorigen Jahrhundert angesiedelten Slovaken vermehrt, in Wahrheit und im großen Ganzen
aber können sie als Abkömmlinge der ersten Landeroberer gelten. Wenigstens deutet es auf
einen alten und gemeinsamen Ursprung hin, daß längs der drei großen Gewässer der drei
Eomitate in etwa 150 Gemeinden ungefähr 150.00O Calviner leben, deren Dialeet, Tracht
und Sitten, trotz aller abweichenden Schattirnngen, als identisch erkennbar sind. Diese
Gemeinden bestanden größtentheils auch zur Zeit der Türkenkämpfe fort und lebten,
obgleich auf dem „Weg der Heere" gelegen, ihr organisirtes kirchliches Leben weiter; und
wenn auch die Zahl der Bewohner gelichtet wurde, füllte» sich diese Lücken doch wieder
durch Magyaren, die von jenseits der Dran herübersiedelten. Diese nämlich waren
keineswegs im slavischen Elemente aufgegangen uud verschwunden, und sie flüchteten auch
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch