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der schöne zweithürmige israelitische Tempel, das Casino mit seinem orientalischen
Dach n. s. w. Am westlichen Ende der Stadt gruppiren sich die eleganten Villen der
Neuzeit zu einem schönen Bilde. Die romantisch gelegene „Eulenburg" am Ende der Stadt
ist 1851 erbaut. Der schönste öffentliche Platz Steinamangers ist der Szechenyi-Platz,
ein durch die Hauptkirche, das bischöfliche Palais, Comitatshaus, Stadthaus, Theater
und ein zweistöckiges Privathans gebildetes Viereck, wo in einer bereits parkirten Abtheilung
das Standbild des Dichters Berzsenyi errichtet werden soll. Der eigentliche Hauptplatz
aber ist der Balthasar Horvät-Platz, so benannt nach dem in Steiuamauger geborenen
ehemaligen Justizminister. Neueren Ursprungs ist der Batthyäny-Platz im östlichen Stadt-
theil, ein zumeist von hübschen stockhohen Privathäusern gebildetes Viereck. Zwei neue
Straßen wurden voriges Jahr in der Richtung des Bahnhofes angelegt; nach ihrem
Ausbau werden sie das Bild der Stadt wesentlich heben. In einer derselben wird soeben
das ansehnliche Gebäude der Eisenbahnverwaltung aufgeführt.
Steiuamauger ist Sitz des Comitats, des Bisthnms'nnd des Eisenbnrg-Stein-
amangerer Domkapitels. Es hat einen königlichen Gerichtshof, ein königliches Bezirks-
gericht, ein Grundbuchsamt, eine Staatsanwaltschaft, ein Stuhlrichteramt, eine Finanz-
direction, Steuer-, Forst-, Culturiugenieur-, Telegraphenamt nnd zwei Postämter, eine
Advokaten- und Notariatskammer. Seine Schulen sind: das römisch-katholische Priester-
Seminar, das Obergymnasium, die Handelsschule, die Bürgerschule für Mädchen, die
städtische gemeinsame und die bischöfliche Elementarschule, die Gewerbeschule, Kinder-
bewahraustalt und Turnhalle. Auch eine öffentliche Stadtbibliothek ist vorhanden. Unter
den Privatbibliotheken ist die schön und zweckmäßig eingerichtete des Seminars sehr
beachtenswerth; sie besitzt nicht nur kostbare, sondern anch seltene Exemplare und
Jncuuabelu. Die bischöfliche Bibliothek hat nenn Jncnnabeln. Das Archiv des Domkapitels
enthält mehrere Urkunden aus der Arpädeuzeit. Die zweckmäßige Neuordnung des
Eomitatsarchivs wurde in jüngster Zeit durchgeführt. Die Protokolle beginnen mit dem
Jahre 1595, die früheren sind verbrannt. Es enthält interessante Urkunden und auch die
genaue photographische Copie des Diploms über die Köuigswahl Stefan Bäthorys durch
die polnischen Stände (1575). Das städtische Archiv ist 1605 in Güssiug, wohin es zu
größerer Sicherheit übertragen worden, verbrannt. Die Protokolle der Stadt beginnen
1606. Das Archiv der Dominicaner enthält Daten über die Familien Batthyany und
Erdödy, sowie über Ordensangelegenheiten. Die erste Buchdruckerei in Steiuamauger
wurde zu Ende des vorigen Jahrhnnderts durch den Ödenburger Buchdrucker Anton Sies
errichtet; ihr dankt man die erste Ausgabe (1794) von Clemens Mikes' classischen „Briefen
aus der Türkei". Jetzt gibt es in der Stadt fünf Druckereien, in denen sechs Localblätter
erscheinen. Im ganzen Comitat bestehen 11 Bnchdrnckereien, abgesehen von den kleineu
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch