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Händen. Karl III. vereinigte sie 1734 mit der österreichischen Abtei Heiligenkreuz, von der
sie in neuerer Zeit getrennt nnd der Erzabtei Zircz zugewiesen wurde. Nahe bei St. Gotthard,
in der Gemarkung von Nagysalva erfocht im Jahre 1664 Monteeuceoli seinen glänzenden Sieg
über den Großvezier Köprili-Ahmed; eine kleine Kapelle bezeichnet das Schlachtfeld. Die
jetzige Abteikirche von St. Gotthard, deren Grund 1748 gelegt wurde, steht auf der Stätte
der alten. Sie ist mit freistehenden korinthischen Säulen geschmückt und hat sechs Altäre. Die
Reliquien des heiligen Vincenz hat ihr Bischof Herzan aus Rom mitgebracht. Die Decke
ist mit Fresken geschmückt, unter denen die „Schlacht bei St. Gotthard" von dem Wiener
akademischen Maler Josef Dorfmeister (1784) auffällt. Vou ihm befinden sich auch in der
Prälatur des Abteihauses mehrere Gemälde, und zwar: Bela III. übergibt den
Fraueiscanern den Stiftungsbrief, Schlacht bei Mohaes, Schlacht bei St. Gotthard,
Znrückerwerbuug der Abtei, Heiligenkreuz, Erbauung der bischöflichen Kirche zu Steiu-
amauger. Die Figuren tragen in jeder Darstellung die Tracht ihrerZeit. —In Hondorf
(Ercsenye) wird Steinkohle gewonnen. Neustift (Rätöt) ist die Sommerwohnung des
gewesenen Ministers Colomau Szell, wo auch Franz Deäk oft und gern verweilte.
Eöri-Szent-Peter ist der bedeutendste Ort und ehemalige Hauptort des Eörseg,
Rudersdorf (Radasalva) ein Wallfahrtsort, und Jennerdorf (Gyauasalva) die
letzte ungarische Eisenbahnstation gegen Steiermark hin. Der nördliche Theil des
Bezirkes ist fruchtbare Thallaudschaft, der südliche gebirgig, kiesig und nnsrnchtbar. Die
Gewässer sind: Raab, Lafuitz (Lapines), Feistritz, Zala, Kerka n. a. Die Bewohner sind
Deutsche und Magyaren; im Süden dringen aus dem Olsuitzer Bezirke auch Wenden ein.
Das breite Thal, in dem die Raab das Comitat durchstießt, ist eine der anmuthigsten
Gegenden.
Auch Güssing (Nemet Ujvär) ist ein geschichtlich merkwürdiger Ort. Der gleich-
namige Bezirk liegt die Westgrenze des Comitats entlang nnd stößt südlich an den St.
Gottharder, nördlich an den Ober-Warther Bezirk. Sein Boden ist lauter Berg uud Thal.
Seine Gewässer sind Lafuitz und Strem. Die Bewohner sind Deutsche und Kroaten, die
Intelligenz ist magyarisch. Die Gegend von Güssing wurde unter Geza II. einem fremden
Ritter Wolfer verliehen, welcher der Ahnherr der berühmten Grafen von Güssing wurde.
Bela IV. tauschte 1263 die unter Geza II. gegründete Güssinger Benediktinerabtei von
der Mortinsberger Abtei um Waag-Neustadtl ein; Sigismnnd verlieh sie 1428 dem
Ladislaus Lcvai-Cseh, Ban von Macsö, und Matthias 1459 dem Niklas Ujlaky,
Wojwodeu von Siebenbürgen. Hier spannen dann Garai und Ujlaky (1459) ihre
Verschwörung gegen Matthias den Gerechten. Als die Familie Ujlaky ansgestorben war,
schenkte Ludwig II. Güssing im Jahre 1524 als Lohn für kriegerische Verdienste dem
Grafen Franz Batthyäny. Auch die Augustiner-Eremiten hatten hier ein Priorat,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch