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plünderten die Bürgerschaft. Schließlich war der Stadtrath gezwungen, Bethlen zu
huldigen. Indeß war diese Huldigung nicht gar ernst gemeint und wiederholt mußten
Bethlen's Scharen Güns wieder heimsuchen, ja, Bethlen selbst erschien im Herbste des
Jahres 1620 und verheerte die Vorstadt von Grund ans.
Das Jahr 1676 verknüpft mit dem Namen Güns das Gedächtniß eines stürmisch
bewegten Frauenlebens. Gräfin Maria Szechy, die „Venus von Mnräny", Witwe des
Palatins Wesselinyi, die einst von Dichtern Verherrlichte und von den Zeitgenossen
Bewunderte, kam — so berichten die Daten des städtischen Archivs — nachdem sie die
Erlaubniß erhalten, Wien zu verlassen, am 14. October 1676 nach Güns. Hier verbrachte
die achtzigjährige kränkelnde Frau im Kreise der Verwandten, von deren Liebe gehegt,
die letzte Zeit ihres kämpsereicheu Lebens, starb im Juli 1679 uud wurde in Güns
begraben. Als Colvman Chernel im Jahre 1873 in der ehemaligen Jesuiten-, jetzt
Benediktinerkirche zu St. Jakob die Familiengruft der Jurisich öffnen ließ, gab er sich
besondere Mühe, die Ruhestätte der Palatinswitwe aufzufinden. Nachdem er die
Jurisich'sche Gruft, sowie das unter dem Mittelschiff uud Hochaltar der Kirche befindliche
große Grabgewölbe durchforscht, ließ er auch eine Steinplatte heben, die eine dritte Grnst
deckte. Sie liegt westlich vom Hochaltar, zwischen den beiden Reihen von Kirchenbänken
ungefähr in der Mitte und ist an Größe und baulicher Beschaffenheit der Jurisich-Gruft
ziemlich gleich. In ihrer nordöstlichen Ecke fand er einen in Stücke zerfallenen menschlichen
Schädel, noch andere Knochenstücke nnd zwei niedrige Eisengestelle, auf denen nur ein
einziger Sarg gestanden haben kann, der aber sammt seinem Inhalt, mit Ausnahme der
erwähnten Leichenreste, so völlig zerfallen ist, daß nur etliche Staubhügel eiuigermaßen
bekundeten, was hier einst aufbewahrt gewesen. Trotz dieses Mangels an sicheren Spuren
ist es kaum zu bezweifeln, daß diese abgesonderte, einen einsamen Sarg enthaltende Gruft
die der vielgeprüften Palatinswitwe ist, deren Bestattung in Güns ja durch verläßliche
Dateu bestätigt wird. Während des Tököly'schen Aufstandes (1681 bis 1685) war
Güns der Schauplatz von Religionszwistigkeiten und blieb auch von den Kriegsereignissen
nicht unberührt. Desgleichen litt es durch die Kämpfe Franz Räköczys II. Die vielgeplagte
Stadt war bald von den Kurutzeu, bald von den Kaiserlichen besetzt. Am härtesten wurde
sie durch den tapferen Räköczy'fchen Feldhanptmann Adam Beri-Balogh mitgenommen,
der sie am 27. September 1710 zu belagern begann und, da er sie nicht zur Huldigung
bewegen konnte, vollständig in Asche legte. Erzbischos Georg Szechenyi errichtete hier im
Jahre 1687 ein Jesnitencollegium, das im Jahre 1777 au die Piaristeu und 1815 au
die Benediktiner überging. Hier hatte auch die einstige Distrietstasel „jenseits der Donan"
ihren Sitz. Das trefflich eingerichtete Waisenhaus wurde iu der zweite» Hälfte des
vorigen Jahrhuuderts durch deu Districtstafel-Präsideuteu Autou Adelffi und den
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch