Page - 392 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Volume 16
Image of the Page - 392 -
Text of the Page - 392 -
392
erhaltene Rittersaal, dessen prächtige gothische Bvgen auf Säulen ruhen. Gegenwärtig
werden die wankenden Mauern besser geschützt, ja man hat im neueren Flügel, der aus
dem XVI. Jahrhundert stammt, zwölf Gemächer völlig in Stand setzen lassen. Sie enthalten
jetzt die reichen Sammlungen des fürstlichen Secretärs Edmund Hnßti, ein stattliches
Museum von ethnographischen, numismatischen, archäologischen und besonders natur-
geschichtlichen Gegenständen. Die Vogelwelt Ungarns ist da fast vollständig zu finden.
Oberhalb von Velem steht die St. Veitskapelle, ehemals Burg, dann Einsiedelei, wo
die Eremiten St. Veits weltfern hausten. In Poschendorf (Bozsok) steht die Curie
der Familie Sibrik. Kis- und Nagy-Csömöte waren im XVI. Jahrhundert im
Besitze der ansehnlichen Familie Csemethey. Alle diese Orte liegen, wie auch die reiu
magyarischen Gemeinden des Bezirkes Lukäeshäza (Lukätschdors), Luding (Ludad)
und Seregelyhäza, an der Bahnlinie Güns-Steinamauger.
Die L)ienzen.
Karl der Große gründete in der avarifchen Mark seines Reiches, dem jenseits der
Donau gelegenen Theile des jetzigen Ungarn, baierische nnd fränkische Colonien, die sich in
slavischer Umgebung unter fränkischen Markgrafen weiter entwickelten. Die Eroberung des
Landes durch die Magyaren verdrängte diese Ansiedlnngen westwärts, vernichtete sie aber
nicht; vielmehr verstärkten sie sich wahrscheinlich im Laufe der Zeit durch einen Theil der in
den deutschen Feldzügen gemachten Gefangenen. Später wanderten hier mächtige deutsche
Magnaten und Edle ein, so die Grafen von Güssing und Guthkeled, die Wasserburg und
Jäk; sie bauten Burgen und Städte und brachten ihre Vasallen, sowie deutsche Ansiedler
für ihre Güter mit. Auch das benachbarte Österreich und Steiermark kräftigte diese
deutschen Elemente, besonders da um die Mitte des XV. Jahrhunderts die Könige von
Ungarn einen Theil des Ödenburger und Eisenburger Comitats dem Herzog von Österreich
nud später dem deutschen Kaiser überließen. Ferner fanden viele aus Österreich und
Steiermark vertriebene Protestanten hier eine Zuflucht. So entstand in den Eomitaten
Eisenburg und Ödenburg die deutsche Bevölkerung, deren größter Theil Hieuzeu oder
Heauzeu genannt wird, ein Name, der wohl mit Heinrich, beziehungsweise Heinz
zusammenhängt.
Die eigenthümliche Mundart der Hieuzeu ist der steierischen verwandt, von der sie
sich jedoch anderseits, wie auch von der gewöhnlichen österreichischen entschieden unter-
scheidet; in manchem wesentlichen Zuge stimmt sie mit der im Viertel am Mannhartsberg
(Niederösterreich) gesprochenen, sowie mit der der Deutschen im Westeu des Preßburger
und Wieselburger Comitats überein. Charakteristisch sind: der tonische Aecent, durch den
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch