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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Volume 16
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414 Unter den Spiritusfabriken ist die Gustav Berg'sche auf der Puszta Öntes die erste; kleinere Brauereien gibt es «och in Odenbnrg und Eisenstadt. Von chemischen Industrien sind zu erwähnen: zwei Stärkefabriken in Ödenbnrg, eine Weinsteinfabrik in Neufeld, eine Zündwaarenfabrik in Neudörfl (Lajta Sz. Miklös). Die Metallindustrie hat in Ödenburg die altberühmte Glockengießerei und Löschrequisitenfabrik von Friedrich Seltenhofer und Sohn aufzuweisen, die in Ungarn wie in Osterreich ein starkes Geschäft macht. Außerdem sind vier Fabriken von landwirthschastlichen Geräthen vorhanden. Das Kleingewerbe fühlt sich durch den Wettbewerb des Nachbarlandes Österreich nnd besonders Wiens sehr gedrückt. Die arg vernachlässigte Hausindustrie beginnt sich neu zu beleben. Die Frauen suchen häufig den Spinnrocken wieder hervor, der vor Jahrzehnten in die Rumpelkammer wandern mußte; die Mädchen besinnen sich neuerdings auf die alten Hauskünste ihrer Großmütter, das Ausnähen uud Sticken. Einen einträglichen Zweig der Hausindustrie bildet das Mattenflechten, worin sich die Magyaren der Hansäg-Gemeinden auszeichnen. Marktkörbe und Binsenmatten jeder Größe werden massenhaft verfertigt, auch Rohr- geflechte für Plafonds, die namentlich nach Deutschland gehen. In der westlichen Gegend wird noch Korbflechtern getrieben und auch der Bast zu allerlei Geflecht verwendet. Reutern für die Landwirthschaft werden besonders in der Gegend von Nekenmarkt (Nyek) häuslich gearbeitet. Ju der Rabuitzgegeud besitzt fast jede Gemeinde ihren Kunstschnitzer, der die Thorpfosten hübsch verziert; sie sind wahre Tausendkünstler, die sich auf alles verstehen, ohne je ein Handwerk gelernt zu haben. Von großem Einflnß auf die Ausbreitung der Hausindustrie ist die ganz nach schwedischem Muster eingerichtete Handfertigkeitsschule zu Ödenburg. Die deutschen Bewohner der Gebirgsgegend versehen Österreich mit Unmassen von Birkenbesen. Vom Weinhandel des Ödenbnrger Comitats ist zu sageu, daß iu früheren Jahr- hunderten Polen der Hauptmarkt für die Weine des Neusiedler Sees war, jetzt aber die Ausfuhr meist nach Österreich, Böhmen, Mähren, Deutschland, England und der Schweiz geht. Auf dem Schweizer Markte tritt jedoch Frankreich bereits als starker Mitbewerber auf. Noch empfindlicher ist diese Coneurrenz im Handel mit Ausbruchweinen auf dem deutschen Markte geworden, wo der Ödenbnrger Wein von spanischem und französischem verdrängt wird. Wie in natnrgeschichtlicher, so theilt sich auch in ethnographischer Hinsicht das Gebiet des Ödenbnrger Comitats in zwei Hälften. Die östliche gehört ansschließlich den Magyaren an, die westliche ist meist von Deutschen uud Kroaten bewohnt. In der Grenzgegend zwischen diesen Nationalitäten, in der niederen Hügelgegend südlich des Neusiedler Sees hat das magyarische Element die beiden anderen mit sich verschmolzen,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Volume 16
Title
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Subtitle
Ungarn (4)
Volume
16
Editor
Erzherzog Rudolf
Publisher
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Location
Wien
Date
1896
Language
German
License
PD
Size
15.18 x 21.71 cm
Pages
616
Keywords
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Categories
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