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Wie erwähnt, läßt sich das Ödenburger Comitat seinen physischen, wie ethnographischen
Eigenschaften nach in zwei Regionen theilen. Man darf annehmen, daß es ehedem auch
der Verwaltung nach aus zwei Theilen bestand. Nachweislich hatte nämlich die Raaban
innerhalb des Comitatsgebiets eine gewisse behördliche Selbständigkeit, insofern man
im XV. nnd XVI. Jahrhundert wiederholt den Vizegespanen und Stuhlrichtern des
„äistrictus" Raaban begegnet, deren Sitz gewöhnlich Nempthi (jetzt Nemeti) im Mittel-
punkte der eigentlichen Raabau war. Auf eine gewisse Selbständigkeit deutet auch die
Raabauer Erzdechantei, die noch jetzt den Titel eines Raaber Domherrn bildet.
Die ebene Hälfte des Comitats hat drei Bezirke: Tschapring (Csepreg), Kapnvär
und Csorua. Der erste ist der östliche Nachbar des Pulleudorfer Bezirks; seine südwestliche,
an das Eisenburger Comitat stoßende Ecke ist niedriges Hügelland, das Übrige Ebene.
Er ist reich an Funden aus vorgeschichtlichen und geschichtlichen Epochen, wie übrigens
auch die beiden anderen Bezirke. Alle drei liefern besonders Denkmäler aus der römischen
nnd der Völkerwaudernngszeit. Jene 2 bis 3 Meter hohen, länglichen, sandigen Hügel,
die auf der Ebene in großer Menge vorkommen, sind wahre Museen, in denen man
Gegenstände verschiedener Epochen massenhaft findet. Sehr viele Windungen der Flüsse
nud Bäche umschließen einen flachen Hügel, in dem man mindestens römische Alterthümer
findet. Das Volk bringt die Reste der Römerbauten mit den rothen Mönchen (Pauliueru)
in Verbindung und schleppt die vorzüglichsten Backsteine lastwagenweise heim.
Tschapring (Esepreg), der Hauptort des gleichnamigen Bezirkes, liegt am rechten
Ufer der Rabnitz, am Saume der Hügelgegend, und hat 3842 Einwohner. Am nordöst-
lichen Rande des Bezirkes liegt der Maierhof von Szolgagyör , in dessen Nähe sich eine
bedeutende vorgeschichtliche Wallburg findet. Von hier aus gelangt man über den mit
prähistorischen Grabhügeln bedeckten Szent-Miklöser Anger in den Bezirk von Kapnvär, zu
dessen bemerkenswerthesten Orten Eszterhäza gehört. Es ist zwar eine kleine Gemeinde,
jedoch im vorigen Jahrhundert durch die verschwenderische Bauthätigkeit des Fürsten
Nikolaus Esterhäzy, des „Prächtigen", zum Weltruhm gelangt. Hier befindet sich eines
der größten Schlösser des Landes mit vielen Sälen und 126 Zimmern; es hat einst Maria
Theresia als Gast empfangen. Das einst von Haydn geleitete Theater hatte europäischen
Ruf. Mit dem Tode des Fürsten erlosch auch der Glanz von Eszterhäza. Bezirkssitz ist
Kapnvär an beiden Ufern der kleinen Raab, eine der ältesten Ortschaften des Landes, schon
in einer Urkunde von 1162 erwähnt. Im XV. Jahrhundert gehörte es den Kanizsay, dann
den Rozgouyi. 1558 fiel es sammt den zugehörigen 17 Ortschaften und 22 Pußten als
Donation dem Palatin Thomas Nädasdy und dessen Frau Ursula Kanizsay, sowie ihrem
Sohn Franz zu. Gegenwärtig ist es eine Besitzung der fürstlich Esterhäzy'schen Familie.
Kapnvär ist der Schlüssel der Raabau und war daher Schauplatz vieler Kriegsscenen.
Ungarn IV. 2«
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch