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dieser Gegend geboreil ist, eine Kapelle erbaut haben soll. In den Tagen der magyarischen
Eroberung blickt — nach dem Anonymus >— der kühne Heerführer von hier hinab auf
das Land zwischen Donau und Raab und freut sich des reichen Erwerbs. Der Platz, wo
Ärpäd stand, blieb nicht uubezeichuet; der Staatgründer Stefan bante dort ein Kloster
und bevölkerte dieses neue Heim der Wissenschaft mit Mönchen aus Italien und Böhmen.
Der König weist sie an, das Wort Gottes zu verkünden und Alles, was damit in Ver-
bindung, wahrzunehmen; zu friedlichein Fleiß sollen sie den Magyaren erziehen, die Sitten
sänftigen, die Leidenden pflegen, den Verlassenen beistehen, die Geister durch Verbreitung
der rechten Kenntnisse aufklären, ihm selbst aber treue Stützen sein bei der Aufrichtung
der neuen Staatsordnung.
Wohl waren die ersten Bewohner des Klosters aus der Fremde gekommen, allein
niemals bewegte sich ihr Streben in fremder Richtung; die Hochschule zu Paunouhalma
war die erste im Lande, die den Interessen des Uugarthums diente. Schon zu Stefaus Zeit
erwuchsen hier ein magyarischer Schriftsteller und magyarische Kanzelredner. St. Gerhard,
Bischof von Csanäd, berief die des Magyarischen hinreichend mächtigen Benediktiner
Heinrich und Philipp von Martinsberg nach seiner Diöcese.
Die Körperschaft, welche so ihre Heimat in diesem Vaterlande gefunden, war denn
auch dem heiligen König ein Gegenstand besonderer Fürsorge; gerne uud wiederholt hat
er mit seinem Sohne Emerich im Kloster geweilt. Diesem Beispiel folgten auch mehrere
seiner Nachfolger, der „heilige Berg" zog sie an und wurde vom Strahle ihrer fürstlichen
Gunst getroffen. Der „vielfromme" Ladislans hielt hier einen Reichstag ab; Koloman
(Könyves Kälmäu) verhandelte hier mit Gottfried von Bouillon über die Art und Weife
des Durchzugs der Kreuzfahrer.
Der Aufstand Vatha's scheint Martinsberg die erste schwere Wunde geschlagen zu
haben. Blut und Trümmer waren die Folgen. Zweihundert Jahre später erschienen die
Mongolen und verwüsteten die Klostergüter, da sie dem festen Kloster selbst nichts anhaben
konnten.
In den Tagen der oligarchischen Znchtlosigkeit hatte das Erzkloster keine Äbte,
sondern Gouverneure, zu uicht geringem Schaden der Disciplin und des wissenschaftlichen
Lebens. Als im XVI. Jahrhundert die Türken über Ungarn hereinbrachen, trug auch
Martinsberg sein Theil; von 1593 an hatte es vier Jahre lang eine türkische Besatzung.
Der schwerste Schlag folgte jedoch im XVIII. Jahrhundert.
Das kaiserliche Edict vom 14. November 1786 hob den Orden auf. Die Nation
jedoch forderte schon auf dem Reichstage von 1790 dessen Wiederherstellung. Infolge
dessen erließ König Franz I. am 25. April 1802 ein königliches Diplom, durch das
er den Benediktinerorden wieder erweckte und in den Genuß seiuer Rechte einsetzte.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch