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heiligen Krone des Reiches zweimal als Asyl gedient hat. Ihr östlicher Theil enthält eine
im XV. Jahrhundert erbaute gothische Kapelle, die dem Kunstsinn des Bischofs Urban
Döczy alle Ehre macht.
Anderthalb Jahrhunderte hindurch diente die Residenz als Wohnsitz der Militär-
kommandanten, bis sie im Jahre 1745 durch Maria Theresia wieder dem Bischof
von Naab als rechtmäßigem Besitzer überwiesen wurde. Während der Belagerung von
1809 wurde sie durch Feuer verheert und büßte unter Anderem ihre reiche Urkuudeu-
sammlnng ein.
Hinter der Kathedrale liegt gegen Osten das größere Seminargebäude mit reicher
und werthvoller Bibliothek; es ist von den Häusern der Kapitelmitglieder umgebe». Der
Ursprung des Kapitels geht bis auf Stefau den Heiligen zurück; die Zahl seiner Mit-
glieder beträgt — einst 34 — jetzt nur 14.
Dem Kapitelberg zu Füßen liegt östlich die Untere Donaugasse, die in nordsüdlicher
Richtung auf den Hauptplatz der Stadt, den Szecheuyiplatz führt, wo eine schöne
Statuengruppe an die Wiedereroberung Ofens im Jahre 1686 erinnert. Der Platz weist
ringsum stattliche öffentliche und Privatgebäude auf; an der Nordseite steht das kleinere
Seminar und daneben das Rathhaus; an der Ostseite das kaufmännische Lloydgebände;
an der Südseite erblickt man das Benediktinerkloster mit Kirche und Obergymnasium. Das
Kloster wurde im Jahre 1667 durch den berühmten Georg Szechenyi, Erzbischos von
Kalocsa, für die Jesuiten gegründet. Nach der Aufhebung des Ordens diente es weltlichen
Zwecken; im Jahre 1802 wurde es durch König Franz den Benediktinern zugewiesen. Es hat
ein bemerkenswerthes Treppenhaus mit Reliefs und Wandgemälden. Mit dem Kloster steht
die St. Jgnatinskirche in Verbindung, ein ansehnlicher zweithürmiger Bau aus der ersten
Hälfte des XVII. Jahrhunderts. Das Chor und die Gewölbe des Schiffes sind reich mit
Fresken geschmückt.
Östlich stößt die Kirche an den imposanten Bau des Obergymnasiums, das im
Jahre 1888 auf Kosten der Benediktiner von Martinsberg neu errichtet wurde. Die
Lehranstalt wurde in der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts gegründet und war
lange Zeit von Jesuiten besorgt; seit 1802 wirken Benediktiner als Erzieher und
Lehrer. Das Gymnasium hat sehr starken Zuspruch aus nah und fern; in seinen Matrikeln
finden sich die Namen vieler Berühmtheiten des Landes jenseits der Donau, unter ihnen
Franz Deäk, Graf Lndwig Batthyäny, der erste ungarische Ministerpräsident, das Brüder-
paar Kisfaludy und Andere mehr.
Von der nördlichen Ecke des Obergymnasiums zieht ostwärts die Eomitatshaus-
gafse. In ihr steht das Eomitatshans, ein ehemaliges Franeiscanerkloster; es gibt außer
den Eomitatsämtern auch der Finauzdirectiou Unterkunft. Das Gebände nebenan enthielt
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch