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Unweit des Conventgebäudes ragt westlich in der Ludwig Kossuthgasse der schöne
hohe Kuppelbau der jüdisch-fortschrittlichen Synagoge, an die sich ein gut eingerichtetes
Schulgebäude schließt. Noch weiter westlich stehen in derselben Gasse Kirche und Pfarr-
haus der Reformirten, in deren Nähe sich das allgemeine Krankenhaus der Stadt erhebt.
Seine Gründung fällt in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts; es genügte in
seiner ursprünglichen Form nicht mehr den Anforderungen der Gesundheitspflege, weshalb
nun an geeigneterer Stelle ein neues Krankenhaus erbaut wird. In derselben Gasse findet
man schließlich die schöne St. Josephskirche der Römisch-Katholischen, während in der
dahinter entlangziehenden Räczgasse die griechisch-nichtnnirte Kirche steht. Diese hat jetzt
nur sehr wenige Anhänger, die nicht einmal eine selbständige Seelsorge besitzen; ihr
Oberhirt ist der griechisch-orientalische Bischof zu Ofen.
Da die Neustadt in dem Zwickel zwischen Raab und Nabuitz liegt, hatte sie ost
durch Überschwemmungen zu leiden, zuletzt im Jahre 1883. Seitdem beide Flüsse regulirt
sind, ist sie durch mächtige Schutzdämme vor Hochwasser geschützt. In dem durch die Flüsse
gebildeten Winkel liegt die reizende städtische Promenade, deren nördlichen Theil die
Bronzestatue des im Raaber Comitat zu Teth geborenen Dichters Karl Kissaludy, ein
Werk des Bildhauers Ludwig Matrai, schmückt. In der südlichen Hälfte, auf dem
Nadö-Platz, steht das Theater, einst eine einflußreiche Bildungsstätte der aufstrebenden
ungarischen Schauspielkunst und die Wiege manches später berühmten Künstlers. In der
südwestlichen Ecke des Radö-Platzes steht eine Pyramide zur Eriuueruug an die glückliche
Beendigung der Schutzbauten gegen Wassergefahr.
Westlich der Promenade verbindet die „lange Brücke" die Neustadt mit der
Palatinalstadt, deren Gebiet einst von den Ortschaften Szent-Senedekfalva und Kertesßer
und der Propstei St. Adalbert eingenommen war. Die Propstei stand in der Gegend des
jetzigen Kalvarienberges und lebt noch in der Erinnerung des Volkes. Ein Mitglied des
Kathedralkapitels führt den Titel eines Propstes zu St. Adalbert vom Raaber Berge. Die
Palatinalstadt ist durch den Bahnkörper der königlich ungarischen Staatseisenbahnen von
den inneren Theilen Raabs getrennt; den Übergang erleichtert eine querüber gelegte
Eisenbrücke, eine prächtige Schöpfung Gabriel Baross'.
Südöstlich von der Palatinalstadt liegt Szabadhegy (--- freier Berg), einst Szent-
Mihäly und Szabady genannt. Seinen heutigen Namen führt es seit dem XVII. Jahrhundert.
Es hat eine landwirthschastliche Bevölkerung und eine stattliche Cavalleriekaserne.
Hier sind schließlich zwei Gemeinden zn erwähnen, die zwar politisch unter der
Comitatsverwaltuug stehen, in den sonstigen Lebensverhältnissen jedoch vielfach auf Raab
augewiesen sind. Es sind dies: Györßiget und Rivsalu. Jenes ist durch die Raab, dieses
durch die Donau vou Raab getrennt, mit dem sie durch mehrere Brücken verbunden sind.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Volume 16
- Title
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Subtitle
- Ungarn (4)
- Volume
- 16
- Editor
- Erzherzog Rudolf
- Publisher
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Location
- Wien
- Date
- 1896
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 15.18 x 21.71 cm
- Pages
- 616
- Keywords
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Categories
- Kronprinzenwerk deutsch